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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Wilhelm von Graffenried

AES B4960 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Karl Wilhelm von Graffenried an Alfred Escher, Bern, Freitag, 15. Dezember 1865

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Compagnie du Jura Industriel (JI), Grosser Rat BE, Grütliverein, Helvetia (Studentenverbindung), Regierungsrat BE

Briefe

M hochgeachteten
Herrn Präsidenten Dr A. Escher,
Zürich.

fr.1

Hochgeachteter Herr Präsident,

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen beiligend ein Exemplar des soeben erschienenen Berichts der bernischen Finanzdirection an den Regierungsrath, betreffend die Stellung des Kantons Bern in der Alpenbahnfrage, zu übermachen.

Am Schluße des Berichts finden Sie den Antrag der Finanzdirection, welcher vom Regierungsrathe genehmigt und an den Großen Rath mit Empfehlung gewiesen ist.

Die großräthliche Commißion, welche mit Vorberathung dieses Antrags und eines weiteren bis dahin noch nicht erschienenen Beschlußes–Entwurfes in Betreff der jurassischen Eisenbahnen sich befaßen soll, ist von ihrem Präsidenten, H. St., erst auf nächsten Montag Nachmitags zu einer 1sten Sitzung einberufen: und es scheint bei mehreren Mitgliedern der Commißion sowie im Schooße des Großen Raths die Ansicht obzuwalten, daß die Behandlung der vorliegenden Eisenbahntractanden auf eine spätere Sitzung der Behörde verschoben werden sollte, namentlich um vorher zwischen beiden Kantonstheilen in Betreff der schwebenden Anstände eine Verständigung herbeizuführen zu suchen. | Ich werde dieser Anschauungsweise im Schooße der Commission nach Kräften entgegentreten, da sich aber derselben die Gegner der Sache selbst jedenfalls anschließen werden, so dürfte sie sehr wahrscheinlich durchdringen.

Herrn Nationalrath Feer–Herzog habe ich gestern hier gesehen, und von ihm das Bekenntniß erhalten, daß er mit seinen wiederholten Versuchen, bei den Pariser officiellen Kreisen materielle Unterstützung des Gotthard zu erwirken, nichts ausgerichtet habe.

Die vorgestrige hiesige Versammlung der Helvetia- und Grütli-Mitglieder zu Besprechung der Revision hat sich für Annahme derselben, und zugleich für Sammlung von 50,000 Unterschriften zur Anbahnung einer weitergehenden Verfaßungsrevision ausgesprochen.

Die gestrige Gemeinderathswahl fiel mit entschiedenem Mehr zu Gunsten der Conservativen aus: meine Wenigkeit namentlich wurde, als zur «Eisenbahn– & Baumwollen–Baronie» mitangehörend, von beiden Extremen recht eigentlich perhorrescirt. Von solchen Coalitionen angegriffen zu sein scheint mir der beste Beweis, daß man auf guten Wegen wandelt.

Empfangen Sie, hochgeachteter Herr, den Ausdruck meiner herzlichen Anhänglichkeit.

C Wilhelm von Graffenried

Bern, 15. December 1865.

1 Beilage.

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