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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B4899 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_004

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Basel, Samstag, 16. April 1870

Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Regierungsrat TI, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

SCHWEIZERISCHE
CENTRALBAHN.
Directorium.

Basel, den 16 April 1870.

Lieber Freund!

Die gestrigen telegr. Nachrichten Herrn Zingg's & Dein gestriger Brief sezen mich um so mehr in grosses Erstaunen, als Herr Forni eine gegentheilige Ansicht mittheilte. Auch erinnere ich mich gelesen zu haben, daß die Regierung Tessin's dem Gr. Rath antrage, den normalen Verpflichtungsschein zu unterzeich nen. Freilich weiß leider die Regierung Ihren Vorschlägen wenig Nachdruk zu verschaffen, wenn sie im Gr. Rath angefochten werden. Indessen erscheint | Alles in's Auge gefaßt, es undenkbar, daß Tessin gar von den verheissenen 3 Mill. zurükgehe, so wie es als eine unerläßliche & sehr mässige Forderung sich darstellt, daß die 3 Mill. nach allgemeiner Zahlungsnorm bezahlt werden.

Ich bedaure jezt, Herrn Fratecolla nicht in Liestal besucht zu haben, wo er während einiger Zeit Wiederholungskurse v. Scharf schüzen leitete & wo ich ihn zu treffen beabsichtigte. Anderweitige Beschäftigung verhinderte mich daran. | Bleibst Du mit Herrn Welti bei der Meinung, daß Jemand den Gotthardausschuß auch bei den bevorstehenden Verhandlungen in Tessin vertrete, so darf ich um der Sache willen Dein & Herrn Zingg's daheriges Er suchen nicht ablehnen, so wi drig auch diese Sendung mir persönlich vorkommt. Auch machen meine Kollegen dagegen keine Einwendung, vorausge sezt, daß meine Abreise nicht sofort geschehen müsse. Wirk lich werden die Geschäfte des Grossen Raths in Tessin so langsam betrieben, daß | es nicht nöthig erscheint, schon bei Eröffnung desselben auf dem Posten zu sein. Ich selbst wünsche auch, wie meine Kolle gen, noch den Bözbergvertrag prüfen & zu dessen Feststel lung beitragen zu können.

Mittlerweile werde ich mich um den Stand der Dinge in Bellinzona auch er kundigen & nöthigenfalls noch rechtzeitig dort mich einfinden.

Unter Umständen wünsche ich doch, daß Du Coster von dort nicht abberufen werde.

In Eile v. Herzen grüssend

Siegfried.