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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4755 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 7. Dezember 1869

Schlagwörter: Bundesrat, Landrat OW, Landsgemeinde OW, Regierungsrat BE, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre Ihnen mitzutheilen, daß das die Aktenvervollständigung beschlagende Schreiben an die Regierung von Bern, welches Sie meiner letzten ergebenen Zuschrift entsprechend durch das Sekretariat anfertigen zu laßen die Güte gehabt haben, letzten Sonntag mit den betreffenden Aktenstüken an die Regierung v. Bern abgegangen ist. –

Vorige Woche war ich in Sarnen, wo ich mit den HHrn. Landammann Dr. Etlin, Wirz & Landessekelmeister Durrer über die Subventionsfrage conferirte. Die genannten Herren, insbesonders Hr Dr. Etlin & Durrer, äußerten sich für eine mäßige Subvention nicht | ungünstig; es wurde aber bemerkt, daß ein entsprechender Entscheid des Landrathes wie der Landsgemeinde sehr zweifelhaft sei, indem die Betheiligung an fraglichem Unternehmen die Einführung einer Landessteuer zur Folge haben werde, vor der man bisher noch habe Umgang nehmen können. Im Allgemeinen habe ich den Eindruk erhalten, daß, wenn unsere Bemühungen nicht noch von Seite des Bundesrathes unterstützt werden, eine Subvention in Ob- & Nidwalden sehr in Frage steht. –

Ab Seite der Regierung von Bern ist hierseits bis dato keine Anregung zu einer Unterhandlung über die Betheiligung an der EmmenthalEntlebucher Bahn gemacht worden. Ich weiß nicht, ob in Bern die Ansicht waltet, diese Angelegenheit im Schooße des Initiativkomite, in welches die Regierung v. Bern zwei Mitglieder gewählt | hat, zu verhandeln, – ein Weg, zu dem ich nur mit Widerstreben Hand bieten kann, da es mir scheint, daß die Mitglieder der Regierung in diesem Initiativkomite in eine unpaßende Stellung kommen. Sollte diese Angelegenheit in Bern zu neuerlicher Erörterung kommen, so dürften Sie sich mit vollem Vertrauen an Hrn. Ständerath A. Stoker wenden, mit welchem ich einläßlich über die Sache gesprochen habe & der die Sachlage sehr verständig beurtheilte. –

Hr. Ing. Gelpke hat mir mitgetheilt, daß seine Berechnungen die Genauigkeit der aufgenommenen Triangulation herausgestellt haben & auf diese Arbeit hin die Tunnelrichtung mit vollständiger Sicherheit angegeben werden könne. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 7 Dec. 1869.