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Korrespondenz: Alfred Escher – Wolfgang Henggeler-Schmid

AES B4735 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Wolfgang Henggeler-Schmid an Alfred Escher, Baar (ZG), Donnerstag, 16. November 1865

Schlagwörter: Grosser Rat ZG, Regierungsrat ZG, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

HHerrn President Allfrd. Escher in Bern. 1

SPINNEREY AN DER LORZE
IN BAAR
CANTON ZUG

Hochgeachteter Herr!

Soeben sante Ihnen eine Depesche «Der Große Rath Hier hat wegen Subvention eine Comission gewählt welche wegen Betheiligung mit der Stadt endschaftlich unterhandeln, und dem nächsten großen Rath Bericht und Antrag vorlegen soll. Die Frage steht schlecht. Vier günstige und fünf ungünstige Comissionsmitglieder. Mehr brieflich.»

Leider muß ich Ihnen diese Mittheilung hiemit bestätigen, und befürchte einen schmälichen Entscheid. Schon im Reg.Rath waren nur 2 Stimmen, Zürcher & Merz, die es wagten frk 500/m zu befürworten, was Sie aus den R.Rth Verhandlungen im beigelegten Volks–Blatt ersehen. Die Frage kommt leider wieder am Vorabend der Erneuerungswahlen unseres Gr. Rathes, und die Conservatifen machen daraus schon Stimmen für die Jennerwahlen. Natürlich ist der am besten angeschriebene welcher | keine Opfer verlangt. Bei dem Bauer weil es keine Steuren verursacht, und bei unseren Hochwürden weil ohne Opfer nichts geschaffen werden kan. Eine zweite Ursache (Zersplitterung) wirkt nachtheilig weil die westlichen Gemeinden, Risch Cham und Hünenberg sagen «wir geben unsere Stimme nicht zu einer Betheiligung wen der Vorbehalt gemacht wird es müße die Bahn auf der rechten Seite des Zugersees gezogen werden.» Hingegen die Burger von Zug sagen «wir stimmen nur dafür wenn obiger Vorbehalt gemacht wird.» Wird nun eventuel dieser Vorbehalt angenohmen, so fehlen die restlichen Stimmen, und wird derselbe verworfen so fehlen die Stimmen der Stadt.

Auf diese Weise sehe ich nicht voraus wie, ein günstiger Entscheid möglich wird, um so weniger weil eben kein Conservatifer für die Sache einsteht, und überhaupt die Wichtigkeit der Sache gar nicht verstanden wird. Ich werde nun mit allen Commissionsmitgliedern persönlich sprechen aber ich fürchte es werde nichts nützen. Man | hält mir bei jeder Unterredung vor «die Spinnereien haben den Nutzen sie sollen bezahlen».

Unser Heustüffel spillt seine alte Rolle um ja seine Sprünge für jeden Rappen der durch den Kanton fliegt aufsparen zu können, obwohl er die ganze Entscheidung in seiner Macht hat. Es ist in der That jämerlich entmuthigend wen man zusehen muß wie unmöglich es ist unser sonst so gutes Volk für einen vernünftigen Fortschritt zu gewinnen, und doch darf man denoch nicht aufhören zu kämpfen gegen einen unüberwindlichen Feind.

Empfangen Sie meine hochachtungsvolle Empfehlung und meinen herzlichsten Dank für Ihr mir so oft erwiesenes Wohlwollen.

Ihr stets ergebener

W. Henggeler Schmid

Baar 16ten Nov. 1865.

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