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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4729 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 29. Oktober 1865

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat LU, Presse (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen hiemit im Anschluße die Briefe des Hrn. v. Peyer nebst der Zusammenstellung der St. Gallischen Eisenbahnbetheiligungen, welche Sie mir mit verehrlicher Zu schrift vom 28 d. zu übermitteln die Güte hatten, unter bester Verdankung wieder zurükzusenden. –

Hrn. v. Peyer habe ich sofort die ge wünschten frs. 200 übersandt. –

Der Status über die Eisenbahnbetheiligungen v. St. Gallen, sowie das neueste Vorgehen der östlichen Kantone, v. welch letzterm bereits in unsrer Preße Erwähnung gethan worden ist, sollte wohl allen Luzernern zeigen, was sie in diesem Momente zu thun | haben. Ob & in wie weit der Finger zeig Beachtung finden wird, müßen wir gewärtigen. Ich hoffe von meinen Hrn. Collegen in einem entschiedenen Auftreten für eine Subvention ohne Veto warm unterstützt zu werden; in Be ziehung auf die Summe scheinen die An sichten noch nicht so fest zu stehen. Ich höre wiederholt, daß Hr. Dula den Satz betont, es sei keine Rede davon, daß der Gr. Rath unter den obwaltenden Umständen mehr als 1 Mill. beschließen werde. Ob dieß einfache Ueberzeugung, oder ob etwelche Tendenz damit ver bunden ist, daß der Kanton nicht mehr geben sollte, – nach dem Schwäbischen Grundsatze, wir bekommen die Gotthardt bahn doch – kann ich nicht sagen. Es wäre vielleicht nicht ohne Wirkung, wenn Sie z. B. v. der Segeßer'schen Erklärung in | der Luzernerzeitung, über die ich kein Wort verlieren will, Veranlaßung nehmend Hrn. D. einige Zeilen schreiben würden. Es will mir scheinen, daß die gewiß be gründete Klage, nach den unendlichen Anstrengungen, welche von Zürich aus zur Verwirklichung des Unternehmens ge than worden seien, wäre in Luzern eine kräftigere & opferwilligere Unterstützung zu erwarten gewesen, immerhin etwelchen Eindruk machen dürfte. –

Die Repräsentanten der Urkantone haben alle Ursache, mit ihren politischen Freunden in Luzern unzufrieden zu sein & es ist nur zu wünschen, daß sie ihren Gefühlen sowohl Hrn. Segeßer als andren gegenüber in der entschiedendsten Weise Ausdruk verleihen. –

Ich habe in Folge Ihrer gestrigen zu stimmenden Erklärung Anordnungen getroffen, | daß dem Hrn. Koller die gewünschten Subventions–Beschlüße & –Anträge über mittelt werden. Hr. Koller bemerkte in seinem Telegramm, daß die Erklärung seines Begehrens folgen werde. –

Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Präsident! bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichneter Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 29 8b 1865.