Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B4703 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Karl Schenk an Alfred Escher, Bern, Freitag, 5. Februar 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat BE, Regierungsrat BE, Regierungsrat TI, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr,

Nachdem ich mit den Herrn Scherz, Migy und andern Mitgliedern der bernischen Regierung Rücksprache genommen, kann ich Ihnen nunmehr bestimmt sagen, daß der Beschluß des Gr. Rathes bezügl. der Subvention keine Aenderung in der Stellung der bern. Regierung zum Gotthard Comite machen wird. Alle, mit denen ich gesprochen habe, geben dem fraglichen Beschluß nur die Bedeutung, daß einstweilen eine Subvention für den Gotthard allerdings abgelehnt, hingegen damit in keiner Weise auch ein Zurücktreten aus der Reihe der Gotthard Cantone gemeint sei. Es kann dieß auch um so bestimmter behauptet werden, als der Minoritätsantrag ausdrücklich dahin gieng, den Regierungsrath einzuladen, sich von nun an an den Bestrebungen für den Gotthard nicht mehr zu betheiligen und dieser Antrag vom Großen Rathe förmlich verworfen wurde.

In Betreff der tessinischen Eisenbahnen ist dem Bundesrathe | in den letzten Tagen ein Bericht des Staatsraths d. Tessin zugekommen, aus welchem sich ergiebt, daß sich October vorigen Jahres ungef. für fr. 100,000 im Ganzen Arbeiten gemacht worden sind. Ein zweiter Bericht ist in Aussicht gestellt. Diesen wird man noch abwarten. Ich halte es kaum für nöthig, die eidg. Experten nocheinmal über den Gotthard zu schicken. Indessen wäre es nicht unmöglich, daß aus dem Mangel eines neuen Expertenberichts in der Bundesversammlung ein Motiv zu einem Antrag auf Verschiebung oder dgl. gemacht werden könnte. Was halten Sie davon?

Die Expertise müßte natürlich schleunigst vorgenommen werden und es würde mir deßhalb angenehm sein, Ihre Ansicht möglichst bald zu vernehmen.

Unterdessen genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung u. meinen freundschaftl. Gruß.

Schenk.

Bern, d. 5 Febr. 1864.

Kontexte