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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B4702 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Karl Schenk an Alfred Escher, Bern, Samstag, 3. Oktober 1863

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Geehrtester Herr,

Es ist Ihnen gewiß noch weniger als mir entgangen, daß in der Publication der Conferenzbeschlüsse, welche fast alle wörtlich wiedergegeben sind, der Hauptsatz – die Einladung an den Bundesrath, auch seinerseits gegenüber den betreffenden, auswärtigen Regierungen sich für die Gotthardbahn auszusprechen – weggelassen worden ist.

Dieses Verfahren beunruhigt mich. Es scheint mir, es liege etwas Unwürdiges und uns alle Compromittirendes in dieser, ohne Zweifel absichtlichen Verheimlichung. Wir laden damit den Schein auf uns, als ob wir ein böses Gewissen hätten bei dem, was wir gethan und nicht dazu stehen dürften. Die Späheraugen der Gegner werden, bevor lange vergeht, jenen Schritt, dessen Eintreten sie gewiß vermuthen und erwarten, entdecken u. ihre Federn werden nicht ermangeln, die Verheimlichung desselben in das allerübelste Licht zu stellen. Der Bundesrath seinerseits wird sich in seinen Absichten wenig gestärkt fühlen, wenn wir unsererseits nicht offen einstehen für das, was wir von ihm verlangen.

Im ersten Augenblick gedachte ich die fragliche | Publication geradezu zu berichtigen. Dann aber sagte ich mir, daß gerade durch eine solche Berichtigung das Uebel fast noch ärger gemacht würde, als es jetzt schon ist. Läßt man es aber gehen, so werden uns mit Recht Anklagen aller Art treffen, die der Sache selbst nur Schaden bringen können.

Ich erlaube mir, Ihnen diese Bedenken freimüthig mitzutheilen, ungewiß wie Sie selbst über den fraglichen Punkt denken. Jedenfalls werde ich nichts thun, bevor ich Ihre Ansicht darüber kenne.

Indem ich Sie bitte, mir mit einigen Zeilen Ihre Anschauung mitzutheilen, verharre

Mit ausgezeichneter Hochachtung u. frdl. Gruß

Ihr Ergebener

Schenk.

Bern, d. 3 Oct. 1863.

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