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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B4700 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_002

Karl Schenk an Alfred Escher, Bern, Montag, 31. August 1863

Schlagwörter: Gewässerkorrekturen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat BE, Regierungsrat LU, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Geehrtester Herr,

Es ist Ihnen vielleicht nicht unangenehm, mit einigen Worten in Kenntniß gesetzt zu werden, wie die Angelegenheit der Gotthard Convention bei uns steht und warum die Genehmigung derselben bis jetzt noch ausgeblieben ist.

Wir haben heute beschlossen, die Gotthard Convention neben Anträgen betreffend die Juragewässercorrection und neben solchen, betreffend die Jurabahn vor den Gr. Rath zu bringen.

Nicht, daß wir derselben so große Wichtigkeit zuschrieben, oder daß Opposition gegen dieselben vorhanden wäre oder daß wir uns nicht competent hielten, von uns aus vorzugehen. Man ist mit derselben durchaus einverstanden u. würde unter andern Umständen die Sache ohne Weiteres durch Regierungsbeschluß abgemacht haben, wie dieß auch mit der Frage der Juragewässercorrection in ihrem gegenwärtigen Stadium geschehen könnte.

Aber wir müssen wünschen, daß Bern im Augenblick, | wo es einer Vereinbarung beitritt, die, wenn die Bestrebungen glücken, schließlich immerhin finanzielle Opfer vom Canton erheischen wird; im Augenblick, wo er für die Juragewässercorrection in die Schranken tritt, welche ebenfalls ohne finanzielle Betheiligung des Staates unmöglich ist, auch einen Schritt zu Gunsten des Jura thue.

Dieß ist nur durch den Großen Rath möglich u. was vielleicht isolirt Anstand finden würde, hat Aussicht auf glücklichen Erfolg, wenn es verbunden mit ähnlichen Fragen, welche für andre Theile des Cantons von Bedeutung sind, auftritt.

Dabei verhehle ich nicht, daß auch die Aussicht, durch dieses Verfahren den eingetretenen Zwist zwischen Jura und altem Cantonstheil zu heben und einer Steuerreform den Weg zu bahnen, als wesentliches Motiv mitwirkt.

Schaden kann es der Gotthard Convention nicht, wenn statt des Reg.Rathes der Gr. Rath selbst seine Zustimmung giebt und die Einberufung des Gr. Rathes werden wir möglichst befördern. Immerhin wird es gehen bis gegen Ende September. Sollte übrigens schon vorher eine Versammlung der Commission möglich u. nöthig sein, so würden wir keinen Anstand nehmen, Delegirte abzuordnen, da die Regierung in der | Frage durchaus einstimmig ist.

Wir werden auch die Regierung von Luzern in Kenntniß setzen, daß die hiesige Regierung der Convention beitritt, jedoch dieselbe der Genehmigung des Gr. Rathes unterstellen wird.

Indem ich Ihnen dieses mittheilen zu sollen glaubte, verharre

Mit ausgezeichneter Hochachtung u freundl. Gruße

Ihr Ergebener

Schenk, [RP.?]

Bern, d. 31 Aug. 1863.

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