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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4689 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Samstag, 12. März 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Im Besitze Ihrer verehrl. Zuschrift v. 9 dß. will es mir scheinen, Sie können in Betreff der Erlassung einer Zuschrift an Sillar ganz nach Ihrem Geschmacke verfahren. Eine große Bedeutung vermag ich diesem Schritte nicht beizumessen. Ein Schreiben, das den vorherrschenden Character einer Höflichkeitsbezeugung hat, dürfte am Platze sein.

Ganz einverstanden bin ich mit Ihnen, daß von einer Mittheilung des Gutachtens der HH. Beckh & Gerwig an H Cecovi die Rede nicht sein kann. Wenn Sie H Cecovi mittheilen, daß bis in allen Detail ausgearbeitete Pläne der be| zeichneten Experten für den Gotthardt vorliegen & daß die letztern die Kosten des Gotthardt nur um ca 6 Millionen Frkn. höher anschlagen als diejenigen des Lucmanier, so dürfte dieß alles sein, was Cecovi zur Stunde zu wissen wünscht & zu wissen braucht.

Ich bin immer noch mit dem Studium des Gutachtens der HH Beckh & Gerwig beschäftigt. Leider werde ich beständig unterbrochen & für Anderes in Anspruch genommen. Ich hoffe übrigens, Ihnen in nächster Woche Gutachten & Pläne übersenden zu können, nachdem ich noch mit H Koller, der hier ist, einige Hauptpuncte besprochen.

Hr Dir. Stoll unter Beihülfe des H. Koller ist fortwährend mit der Ausarbeitung des commerziellen Gutachtens beschäftigt. Es wird gewiß | eine vorzügliche Arbeit werden.

Leider muß ich Ihnen in Beilage ein Schreiben des H. Nationalrath Feer– Herzog übersenden, in welchem er die Mission nach Turin in der Gotthardtangelegenheit ablehnt. Daß H Schmiedlin Hrn. Feer «in meinem Namen» angefragt hat & daß Hr. Feer in Folge dessen an mich schreibt, ist mir sehr unangenehm: ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu versichern, daß ich zu diesen Schiefheiten nichts beigetragen habe, sondern im Gegentheile denselben entgegenzuwirken beständig bemüht bin. Ich glaube, es sollte die Ablehnung des Hrn. Feer nicht so ohne weiters angenommen, sondern noch versucht werden, Hrn. Feer zu einem andern Entschlusse zu bringen.

Vielleicht wird mir bald einmal | das Vergnügen zu Theil, Sie in Luzern mündlich sprechen zu können.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr A Escher

Zürich
12 März 1864.