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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4685 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, s.l., [Februar 1867 ?]

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Heute empfieng ich den Bericht des Hrn. Gentili, der mir auftragsgemäß die beifolgende Zuschrift des Hrn. Fowler übergab & mir auch die Eröffnung vorlas, welche Hr. Fowler in Betreff seines Projektes dem italienischen Bauminister gemacht hat. Gentili bemerkte, daß wir nun das in Aussicht gestellte Expose Fowler's nicht erhalten, obschon Alles vorbereitet gewesen sei, und schob die Schuld mit einiger Bitterkeit auf Hrn. Koller, welcher die Eröffnungen des Hrn. Fowler in Florenz mit Kritisirung von Detailsachen aufgenommen & damit Letzern abgestoßen habe, zur Einkleidung| des Expose zu Handen des Comite nicht habe Hand bieten wollen & habe durchbliken laßen, daß man, so lange die Unausführbarkeit des langen Tunnels nicht nachgewiesen sei, davon nicht abgehen werde etc.

Ich erwiderte Hrn. Gentili, daß es mir begreiflich erscheine, wenn Hr. F. sein Projekt nicht gerne vorlege, solange er nicht einige Sicherheit habe, daß es angenommen werde; das Comite müße aber seiner Seits an dem bei der Conferenz in Luzern & in dem Schreiben von Hrn. F. eingenommenen Standpunkt, den es in Nichts verändert habe, festhalten, wornach man nämlich die Wichtigkeit der Eröffnungen v. Hrn. F. nicht verkenne, aber sich darüber nicht entscheiden könne, solange nicht das ganze Material in einem| einläßlichen Expose vorliege & die übrigen Intereßenten sich mit der Modifikation des Projektes einverstanden erklärt haben. Diesem Standpunkte des Comite sei wohl auch die Rükhaltung zuzuschreiben, welche Hr. Koller Hrn. F. gegenüber gezeigt haben möge & die von Letzterm unrichtig aufgefaßt worden zu sein scheine.

Hr. Gentili äußerte sodann den Wunsch, es möchte ihm auf die übermittelte Zuschrift eine mündliche oder schriftliche Antwort zu Handen des Hrn. F. ertheilt & wenn möglich die durch den Zwischenfall in Florenz gestörte Beziehung wieder angeknüpft werden. Ich bemerkte Hrn. Gentili, daß ich die Zuschrift Fowlers dem Ausschuße vorlegen werde, daß es mir indeßen nach dem ersten Eindruk des Schreibens etwas zweifelhaft erscheine,| ob der Ausschuß sich zu einer schriftlichen Antwort veranlaßt finden werde. –

Dieß der Hauptinhalt unsrer Unterredung. Da Hr. Gentili nach Zürich verreist, so werden Sie wahrscheinlich Gelegenheit erhalten, Hrn. Gentili ebenfalls zu sprechen. –

Die Zuschrift & die Unterredung haben auf mich den Eindruk gemacht, daß Hr. F., nachdem er in Florenz mit seinem Projekte nicht den gewünschten Anklang gefunden, die Schuld auf Jemand Anders abladen möchte & daß das Facit der ganzen Verhandlung mit den Engländern eben das ist, das Sie s. Z. bei einer Vorbesprechung im Schweizerhofe dahier ebenfalls angedeutet haben,: indem es den Hrn. nicht nach Wunsch geht, wird unser Projekt angeklagt & als unausführbar erklärt.|

Ich glaube nicht daß Grund vorhanden sei, dieses Gegenstandes wegen den Ausschuß wieder zu besammeln. Wenn Hr. Gentili auf einer Antwort beharrt, so bin ich bereit ihm dieselbe in Ihrem Einverständniß zu ertheilen, sofern Sie nicht vorziehen, ihm dieselbe selbst mündlich zu geben. Nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten wird dieselbe in einer Erneuerung der Erklärung zu bestehen haben, welche wir Hrn. F. bereits brieflich ausgesprochen haben. –

Genehmigen Sie, hochgeachtetster Hr. Präsident: bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem ergebenen

J. Zingg.

Kommentareinträge

Datierung gemäss Archivnotiz. – Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «Anfg. Febr. [1867]» .

Kontexte

  • [Februar 1867 ?]