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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4684 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 21. Juni 1867

Schlagwörter: Bankinstitute

Briefe

Luzern den 21. Juni 1867.

Hochgeachteter Herr Präsident

In der Pariserkorrespondenz der letzten Nummer des Moniteur des Interêts matériels lese ich die Notiz, man spreche dort von der Gründung eines schweiz. Credit foncier. Diese Notiz, deren Begründtheit ich freilich nicht zu beurtheilen im Falle bin, hat mich in mehr als gewöhnlichem Grade intreßirt, indem sie einen längst gehegten Gedanken bei mir wieder in Anregung brachte. Seit Jahren beschäftigt mich der Gedanke der Gründung eines solchen Instituts im Centrum der Schweiz & Sie erinnern sich vielleicht, daß ich Ihnen schon voriges Jahr einmal davon gesprochen habe. Für den Fall, daß ich | jüngsthin aus der Regierung getreten wäre, hätte ich die Anstrebung eines solchen Projektes als meine erste & hauptsächlichste Aufgabe in Aussicht genommen. Sie werden es daher wohl begreiflich finden, wenn ich jener kleinen Zeitungsnotiz eine besondere Aufmerksamkeit schenkte. –

Wenn ich mir nunmehr erlaube, Sie mit dieser Sache zu behelligen, so geschieht es, weil ich mich gerne mit Ihnen berathen möchte, ob es nicht zeitgemäß wäre, sich eingehender mit dem Projekte zu beschäftigen, die Verwirklichung desselben vom Standpunkte schweiz. Intereßen anzustreben & eine mögliche Ausbeutung durch eine ausländische Spekulationsgesellschaft vorzukommen?|

Es scheint mir, daß sich einem auf breiterer Basis gegründeten schweiz. Credit Foncier ein reiches & lohnendes Feld der Wirksamkeit darbieten würde, & daß damit dem Lande ein wirklicher & beßerer Dienst geleistet werden könnte, als durch manche der auftauchenden Staatsbankprojekte. Es würde mir daher zur besondern Befriedigung gereichen, allfällig etwas zur Realisirung eines solchen Instituts beitragen zu können. –

Ohne dermalen in weitere Details einzutreten, schließe ich mit der Bemerkung, daß ich es als einen erneuten Beweis Ihres ehrenvollen Vertrauens betrachten würde, wenn Sie mir gelegentlich auf schriftlichem oder mündlichem Wege mit aller Offenheit Ihre Ansicht mittheilen würden, ob Sie | die angeregte Idee zeitgemäß & realisirbar erachten & ob & in welcher Weise dieselbe die erforderliche Unterstützung finden dürfte. –

Genehmigen Sie beinebens den erneuten Ausdruk ausgezeichnetster Hochachtung von Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

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