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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Baptist Weder

AES B4668 | KBSG VS 137l

Alfred Escher an Johann Baptist Weder, Belvoir (Enge, Zürich), Donnerstag, 25. Dezember 1862

Schlagwörter: Eisenbahnrückkauf, Familiäres und Persönliches, Grosser Rat SG, Krankheiten, Presse (allgemein), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt

Briefe

Hochgeachteter Herr & Freund!

Mit dem innigsten Bedauern ersah ich gestern aus Ihrem verehrl. Schreiben & vernahm ich von Herrn Moser, den Sie mir empfohlen, daß Sie unwohl seien. Ich & wir Alle in Belvoir, – Lydie, Ihre «kleine Freundinn», wie Sie sie so freundlich nennen, nicht ausgenommen – hatten uns so herzlich darauf gefreut, Sie wieder einmal bei uns zu sehen (wir hatten einige Ihrer & unserer Freunde eingeladen, mit Ihnen bei uns die Mittagsuppe einzunehmen) & nun sollten Sie & wir des Vergnügens, wieder einmal ein Paar Stunden mit Ihnen zuzubringen, nicht theilhaftig werden & Unwohlsein, das Sie befallen, sollte die Ursache davon sein! Wir hatten also nicht bloß auf eine Freude zu verzichten, sondern wir wurden mit Besorgniß für Ihre Gesundheit erfüllt. Möchte das Unwohlsein, das Sie betroffen, bloß einen vorübergehenden Character haben! Ich wäre Ihnen sehr dankbar dafür, wenn Sie die Güte hätten, mir mit einigen Zeilen zu melden oder auf anderm | Wege wissen zu lassen, wie es mit Ihrem Befinden steht.

Herr Moser wird Ihnen mitgetheilt haben, daß unsere Creditanstalt Anleihen, wie das von ihm nachgesuchte, grundsätzlich nicht macht, daß ich ihn aber mit der Direction der Rentenanstalt in Verbindung gebracht & derselben angelegentlich empfohlen habe. Herr Director Wiedmer wünschte, von sich aus noch Erkundigungen über das zu Pfand angebotene neue Etablissement des Herrn Moser einzuziehen & da Herr Wiedmer für die Darlehen der Rentenanstalt zunächst verantwortlich ist & er mir versprach, die vorbehaltenen Erkundigungen unverzüglich einzuziehen, so wollte ich mich seinem Wunsche nicht widersetzen. Ich hoffe, die weitern Nachforschungen werden ein Ergebniß zur Folge haben, welches den Abschluss des Darlehens an Herr Moser ermöglicht.

Wenn ich gestern das Vergnügen gehabt hätte, persönlich mit Ihnen zusammen zu treffen, so würde es mich sehr interessirt haben, über die Stämpf lische Broschüre mit Ihnen Rücksprache zu nehmen & Sie namentlich auch über die Aufnahme zu befragen, welche dieselbe im Ctn. St. Gallen gefunden hat. | Wenn auch die St. Galler Zeitung sich für das Stämpflische Projekt ausspricht, so kann ich doch nicht glauben, daß sie die Anschauungsweise des St. Gallischen Volkes & der Maaßgebenden St. Gallischen Staatsmänner repräsentire. Ich erinnere mich auch, daß dieß schon oft nicht der Fall war. Wenn Sie sich wohl genug fühlen würden, mir hierüber einige Andeutungen, & wäre es auch mit wenigen Worten, zu geben, so würde ich Ihnen hiefür sehr dankbar sein.

Empfangen Sie, hochverehrter Herr & Freund, unser Aller herzliche Wünsche für die Wiederherstellung Ihrer Gesundheit, empfehlen Sie mich aufs angelegentlichste Ihrer hochgeschätzten Frau Gemalinn & seien Sie der unwandelbaren Hochachtung & Freundschaft versichert

Ihres

Dr A Escher

Belvoir bei Zürich
25 Dezember 1862.