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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4417 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 17. September 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gemeinderäte (allgemein), Gotthardbahnprojekt, Landrat NW, Regierungsrat BE, Regierungsrat TI, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen das mir gefälligst übermittelte Schreiben des schweiz. Departement des Innern betreffend den Sta tutenentwurf für die Gotthardtbahn mit bestem Danke wieder zugehen laße, beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß die Ihnen bekannten Zuschriften der Regierung v. Bern , sowie der Gemeinderäthe v. Bern & Aarau in dem von uns besprochenen Sinne einsweilen sich erledigt befinden. Das Begehren des Gemeinderathes v. Bern habe ich in Folge Abwesenheit des Hrn. Bundespräsidenten bei Hrn. Bundesrath Welti unter Bezugnahme auf das Schreiben des Departements des Innern von 3. Juni 1870 noch speciell empfohlen & dem Hrn. Gemeinderathspräsidenten von Bern hievon Kenntniß gegeben. Hr. von Büren bemerkte mir bei diesem Anlaße, daß die von dem Gemeinderathe beantragte Subvention von der Gemeinde wohl ohne Zweifel werde genehm gehalten werden. –

In der Subventionsangelegenheit kann ich Ihnen im Weitern wenig Neues von Erheblichkeit melden. In Nidwalden | hat der Landrath die Sache an eine Commißion gewiesen, welche den 2. 8ber nächsthin dem Landrathe Bericht erstatten soll; Hr. Landamman Kaiser , den ich um Aufschluß ange gangen, stellt einen günstigen Entscheid in Aussicht, ohne indeßen eine Summe zu nennen. In Bellinzona sind vor gestern Abend Delegirte v. Lugano , Bellinzona & Locarno zu einer ersten Besprechung zusammengetreten. Ueber das Ergebniß hoffe ich bis Morgen Nachricht zu erhalten. Eine Subvention Neuenburgs erscheint noch mehr als zweifelhaft, obschon vorläufig Hr. Borel dazu Hand zu bieten sich bereit erklärt hat. –

Jedenfalls ist nun soviel sicher, daß durch die um Beiträge angesprochenen Kantone & Städte die fehlenden 760,000 fs. nicht vollständig gedekt werden, es müßten denn die Teßiner alle unsere Erwartungen übertreffen. Nach meiner Berechnung wird ein Rest v. ca 300,000 fs. noch anderweitig aufzubringen sein. Bei dieser Sachlage erscheint es mir nothwendig, daß der Gotthardtausschuß bald zusammentritt, um die geeigneten Schlußnahmen für Dekung des muthmaßlichen | Deficits zu faßen, indem man diese Sache doch nicht zu weit hinausschieben darf. Bei gleichem Anlaße dürften dann meines unmaßgeblichen Erachtens auch einige andere, sich nun in den Vordergrund drängende Fragen berathen oder zur Vorberathung an Commißionen gewiesen werden. Ich stelle mir nämlich vor, daß neben der Vorlage über die Finanzgesellschaft an die Ständige Commission der Gotthardtvereinigung auch Anträge betreffend Cession der Conceßionnen werden zu stellen sein; daß man die Wahl der auf die Schweiz fallenden Mitglieder des Verwaltungsrathes werde in's Auge zu faßen haben. Wenn Sie namentlich einigen Werth daraufsetzen, daß diese Fragen ohne die Mitwirkung eines Z. Demokraten im Ausschuße behandelt werden, so wird eine längere Verschiebung kaum thunlich sein. Ich möchte Sie daher bitten, mir gefälligst mittheilen zu wollen, wann Ihnen etwa in den nächsten 8 bis 10 Tagen eine Aus schußsitzung genehm wäre. –

Schließlich beehre ich Ihnen noch mitzutheilen, daß der Bundesrath die Fristverlängerung beim Staatsrathe| von Teßin empfohlen. Hr. BR. Welti bemerkte mir, daß er nichtsdestoweniger noch für rathsam erachten würde, wenn Jemand v. Seite des Comité dort wäre. Wie mir Veladini vorgestern geschrieben, beantragt der Staatsrath einfache Gewährung der Fristverlängerung. Sollten Sie nichtsdestoweniger noch eine Vertretung nöthig erachten, so bitte um gefälligen Bericht. –

Indem ich hoffe, daß es Ihnen inzwischen geglükt sein werde, die deutsche & die italienische Finanz zu dem so wünschbaren Zusammenwirken bei Bildung der Gotthardtbahngesellschaft zu vereinigen, verbleibe mit dem erneuten Ausdruke ausgezeichnetster Hochachtung

Ihr stets ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 17. Sept. 1871.