Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4368 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Freitag, 21. Juli 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Mont-Cenis-Bahn, Vereinigte Bundesversammlung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Zürich 21 Juli 1871.

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Im Besitze Ihrer drei verehrl. Zuschriften vom 14. 16. & 18dss. Mon. darf ich eine Beantwortung derselben nicht länger im Anstande lassen. Die bisherige Verzögerung wollen Sie mit ge wohnter Nachsicht auf Rechnung einer außerordentlichen Geschäfts last setzen, von der ich gegenwärtig heimgesucht bin.

Das Schreiben unsers Ausschusses an den Bundesrath be treffend die Fristerstreckung in der Tessiner Conzession, mit wel cher ich ganz einverstanden war, ist von mir an Adresse beför dert worden. Der Bundesrath hat nun Vollmacht von der Bun desversammlung erhalten, Fristerstreckungen in Cantonalen Con zessionen zu genehmigen, & es ist wohl keinem Zweifel unter worfen, daß der Große Rath von Tessin die bereits abgelaufe ne Frist nachträglich verlängern wird.

Was die vorbereitenden Maaßregeln für die Inan griffnahme des Baues des großen Tunnels betrifft, so dürften dieselben in einer Sitzung des Gotthardausschusses zu behandeln| sein, die in naher Zukunft Behufs Discutirung der Frage, wie die noch fehlenden Schweizerischen Subventionen beschafft werden sollen, wird abgehalten werden müssen. Die Bestimmung des Platzes der südli chen Tunnelmündung scheint mir das Dringlichste zu sein. Die hiefür erforderlichen Vorarbeiten sind eingeleitet. Die abschließliche Ent scheidung wird nicht vor der Bezeichnung des zukünftigen Ober ingenieurs der Gotthardbahn erfolgen können & die Wahl dieses Oberingenieurs wird erst möglich sein, nachdem das für die Bil dung der Gesellschaft nöthige Capital, wenn auch nur auf dem Wege eines Präliminarvertrages eines Consortiums, gezeichnet sein wird.

Hr. Brioschi hat mich nicht mehr in Bern gefunden. Die Trac tanden der Bundesversammlung, welche auf den zweiten Theil dieser Woche fielen, schienen mir so beschaffen, daß ich es für angezeigter hielt, in Zürich zu sein Statt in Bern. Ich habe mich Hrn. B. für morgen hier zur Verfügung gestellt.

Ihre gef. Mittheilungen über Ihre Wahrnehmungen im Mont Cenis Tunnel haben mich sehr interessirt. Ich verdanke Ihnen diesel ben bestens.

In freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

Dr A Escher

(sammt 2 Beilagen)