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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4360 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Freitag, 14. Juli 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Mont-Cenis-Bahn, Regierungsrat TI, Tunnelbau

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Von meiner Exkursion an den Mont-Cenis & den Gotthardt zurükgekehrt finde ich die beifolgende Zuschrift des Bundesrathes bezüglich der Verlängerung der in den Gotthardtbahnkonzeßionen enthaltenen Fristen. Wie Sie aus dem gestern Ihnen durch meinen Sekretär übermittelten Schreiben des Staatsrathes v. Teßin (welches erst auf meine persönliche Nachfrage beim Hrn. Staatsrathspräsidenten in Bellinzona expedirt worden zu sein scheint) wollte der Staatsrath den s. Z. vom Großen Rathe gefaßten Beschluß wegen formeller Ungültigkeit der Bundesbehörde nicht vorlegen & wird – sowie ich das Schreiben & die mündlichen Erklärungen des Staatsrathspräsidenten verstehe – ein förmlicher Beschluß erst vom nächsten Großen Rath zu erwarten sein.| Der Große Rath soll Ende August oder Anfangs September wieder zusammentreten, die Ertheilung der Fristverlängerung alsdann übrigens keinen Anstand finden. –

Unter diesen Umständen wird es wohl als selbstverständlich zu betrachten sein, daß der Gotthardtausschuß sich mit der vom Bundesrathe in Aussicht genommenen Art & Weise der Erledigung der gewünschten Fristverlängerungen sich einverständen erkläre. Ich habe ein diesfälliges Schreiben an den Bundesrath entworfen & beehre mich, Ihnen dasselbe zur gef. Abgabe an den Hrn. Bundespräsidenten zu übermachen, sofern Sie & die übrigen dortigen Mitglieder des Gotthardtausschußes damit einverstanden sind. –

Von einigen Wahrnehmungen, welche ich bei| Besichtigung der Arbeiten am Mont-Cenis zu machen im Falle war, werde ich bei nächster Gelegenheit Ihnen Kenntniß zu geben mir erlauben. Vorläufig mittheile Ihnen, daß ich bei zweistündiger Begehung des Tunnels die Luft ganz erträglich gefunden, obschon nur mehr die natürliche Lüftung (ohne künstl. Ventilation) besteht & noch viel gesprengt wurde. Der angebliche Einsturz eines Theils des Tunnels beschränkt sich auf den Hinunterfall eines kleinen Stükes des in Arbeit befindlichen Gewölbes, unter dem das Holzwerk zusammenbrach. –

Genehmigen Sie beinebens die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem stets ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 14 Juli 1871.

Kontexte

  • Schenk Karl
  • Sekretär Josef Zinggs
  • Staatsratspräsident des Kantons Tessin