Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4355 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Donnerstag, 15. Juni 1871

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Tunnelbau, Unglücksfälle, Zürich-Zug-Luzern-Bahn (ZZL)

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Ich schreibe Ihnen in dem Gefühle hoher Befriedigung über die erfreulichen Nachrichten, welche Sie mir heute aus Florenz mitzutheilen so freundlich waren. So wäre denn nach vieljährigem Kämpfen & Ringen auch diese Position – die schwierigste, aber wie hoffe auch die entscheidende – errungen. Ich gratulire vor Allem Ihnen zu diesem Erfolg, weiß ich ja, mit welch' unermüdlicher Thätigkeit Sie denselben vorbereitet haben! –

Um von dem großen Ereigniß zu Kleinem zurükzukehren, mittheile ich Ihnen, daß ich mich letzten Samstag mit den Hrn. Koller & Gelpke über die im Laufe dieses Sommers noch vorzunehmenden Arbeiten verständigt habe. Die in Aussicht gegenommenen Arbeiten sind:

1. Nachmalige genaue Fixirung der Richtungspunkte| des großen Tunnels, auf der nördlichen Seite mit Verlegung des Fixpunktes auf eine sicherere Stelle jenseits der Reuß; 2. Vollendung der Abstekung über den Berg, mit Erstellung eiserner (statt hölzerner) Signalstangen; 3. Nachmalige genaueste Meßung der Basis bei Andermatt & Erstellung fester Markzeichen an deren Endpunkten; damit im Anschluße Fixirung des Schachtes bei Andermatt; 4. Triangulation & Detailvermeßung der Gegend v. Airolo bis gegen Dazio-Grande, welche Hr Koller für die definitive Höhenlage der südlichen Tunnelmündung, welche sich vielleicht noch tiefer legen läßt, & das anschließende Tracé für unerläßlich hält. –

Letztere Arbeit wird am meisten Zeit & Kosten verursachen. Ich habe den beiden Hrn. eine nochmalige gemeinschaftliche Prüfung & Erörterung dieses Punktes an Ort & Stelle vorgeschlagen & mich anerboten, daran Theil zu nehmen, um mich persönlich selbst| genauer zu orientiren. Hr. Gelpke wird die Arbeiten voraussichtlich erst gegen Mitte Juli an die Hand nehmen können & werde ich daher vielleicht Anlaß finden, vorher noch mündlich mit Ihnen über die Sache conferiren zu können. –

Zum Schluße sollte ich noch als Bittsteller an Sie gelangen. Es sind mir heute beifolgende Akten, enthalten ein neuerliches Unterstützungsgesuch des Buchbinders Gilg dahier (deßen Sohn auf dortigem Bahnhofe verunglükt ) mit der dringenden Bitte übergeben worden, als Mitglied des Comité der L.Z.Z.bahn jenes Gesuch zu unterstützen. Ich habe bemerkt, daß die Angelegenheit das Comité der Bahnunternehmen Z.Z.L. mir nicht zu berühren scheine. Man hat mich daraufhin wenigstens um Empfehlung der Sache bei Ihnen angegangen. Ich entspreche dem Wunsche, indem ich mir die Bitte erlaube, dem Gesuchsteller die thunlichste Berüksichtigung angedeihen laßen zu wollen.| Er ist ein armer alter Mann, der an dem verunglükten Sohne seine beste Stütze verloren hat.

Genehmigen Sie beinebens, hochverehrtester Hr. Präsident, die erneute Versicherung ausgezeichneter Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 15 Juni 1871.

Kontexte