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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4350 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 7. Juni 1871

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt, Wahlen

Briefe

Hochverehrter Herr Präsident!

Indem ich Sie um gütige Entschuldigung bitte, daß ich erst heute dazu komme, Ihre geschätzten Mittheilungen vom 4. dieß zu verdanken, beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß ich im Hinblik auf den dermaligen Stand der Gotthardtfrage Ihre Anschauung in Betreff der vorzunehmenden technischen Vorarbeiten vollständig theile. Ich habe daher, um die Sache nach Ihrem Rathe zu ordnen, eine Conferenz mit den HH. Ingenieur Koller & Gelpke eingeleitet, die wahrscheinlich nächsten Samstage | stattfinden wird. Sollten wir bei Besprechung der Sache hinsichtlich des einten oder andern Punktes Bedenken haben, so werde ich gerne von Ihrem freundlichen Anerbieten zur gefälligen Mitwirkung Gebrauch machen. –

Ihre Mittheilung über die Entschließung des italienischen Ministeriums in Sachen der bekannten Bedingungen hat mich sehr erfreut. Wenn, wie nach diesem Beschluße zu hoffen ist, der Art. 2 des Commißionalantrages dahinfällt, so ist eine wesentlich günstigere Position gewonnen, was wir zunächst Ihrer Festigkeit zu verdanken haben. –|

Hr. Oberst A. Stoker & ich haben gestern unser Mandat als Ständeräthe niedergelegt. Die Frage der Neuwahl soll in der conservativen Vorversammlung eine zweistündige Verhandlung veranlaßt haben, bei der sich Hr. Dr. Segesser & andere Führer der Conservativen für meine Wiederwahl verwendeten. Die Mehrheit brachte es indeßen dermalen nicht über sich & stellte zu Kandidaten die HH. Schultheiß Kapp & Großrathspräsident Dr. Zemp auf, die heute gewählt wurden. Ich zähle beide zu den gemäßigtern Elementen der konservativen Parthei & jedenfalls sind es ganz tüchtige Männer.|

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg

Luzern d. 7 Juni 1871.