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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4304 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 26. Juni 1870

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Italienisches Parlament, Personelle Angelegenheiten, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre Ihnen im Anschluße eine mir heute zugekommene Zuschrift der Hrn. v. Gonzenbach zu übermachen, wenngleich ich vermuthe, daß dieselbe für Sie wenig Neues enthält. Ich erlaube mir zwei Punkte herauszuheben, einmal die Angelegen heit Stamm & die gewünschte Verwendung in Berlin .

Nach den Mittheilungen der Hrn. Gonzenbach scheint Stamm allerdings eine Stellung zu beanspruchen, die ihm das Gotthardtkomite wie ich glaube| nicht verschaffen wollte. Wenigstens habe ich mir nicht vorgestellt, daß ihm mit der Direction generale des Gothardistes eine Art Kommando stelle selbst über Parlamentsmit glieder gegeben werden sollte. Wie die Sachen stehen, dürfte es viel leicht gerathen sein, Hrn. Gonzen bach den Hauptinhalt oder eine Abschrift des Uebereinkommens mit zutheilen, verbunden mit einer entsprechenden Erläuterung. Thut man dieß nicht, so mag leicht noch mehr hinter der Sache vermuthet werden, als in Wirklichkeit besteht. –

Uebrigens will ich dieß gerne| Ihrem beßern Ermeßen überlaßen. –

Was die Anregung betrifft, es sollte in Berlin ein Schritt zur Beförderung des Votum's der italienischen Kammer veranlaßt werden, so glaube ich voraussetzen zu dürfen, daß durch Sie & Hrn. Welti in dieser Richtung das Erforderliche schon geschehen sein wird. Ich bemerke nur, daß ich fortwährend von dem Gedanken beherrscht bin, daß Alles aufgewendet werden sollte, um in Italien einen Entscheid in dieser Seßion herbeizuführen. –

Das Gebahren der Herrn von Winterthur würde auf mich bald einen komischen Eindruk machen, wenn die Sache| nicht so ernst wäre. Nachdem sie uns eine unverantwortliche Vernachläßigung der Intereßen der schweiz. Industrie & einen Verrath am Vaterlande vorge worfen, stellen sie sich höchst verwundert, daß Jemand darob warm werden könne & hüllen sich in den Mantel der Unschuld! Wir werden indeßen von hieraus, so viel wir können, den Herrn auf ihren Gängen folgen & die öffentliche Meinung aufzuklären suchen. –

In ausgezeichnetster Hochachtung verbleibe

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 26. Juni. 1870.