Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4282 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 4. Juni 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Staatsverträge, Vereinigte Bundesversammlung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Luzern d. 4. Juni 1870.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich muß Sie um freundliche Entschuldigung bitten, daß ich Ihnen die mir gefälligst übermittelten Aktenstüke betreffend Stamm nicht schon gestern Abend zurük geschikt habe; ich wollte dieselben mit einigen Zeilen begleiten, bin dann aber hievon durch Besuche gehindert worden. –

In Sachen Stamm's, wo ich Ihre in Ihrer verehrlichen Zuschrift v. 3 dieß dargelegten Ansichten vollständig theile, will ich nicht unterlaßen zu be merken, daß in einem mir gestern durch Hrn. Gonzenbach zur Einsicht| mitgetheilten Briefe seines Sohnes Herrmann in Mailand (d. d. 29 Mai) die Stelle vorkommt, daß Stamm nicht der Mann für Florenz sei & uns dort mit seinen «Frechheiten» gewiß mehr schaden als nützen werde. In wie weit diese Befürchtung begründet ist, vermag ich nicht zu beurtheilen. Mir scheint, daß St. durch seinen Einfluß auf die Preße immerhin gute Dienste leistet. –

Durch Hrn. Koller sandte ich Ihnen heute einen Brief der Hrn. v. Gonzen bach, worin die Absendung eines Delegirten des G.K. nach Berlin empfohlen wird, um den Grafen v. Bismark zu der Erklärung zu ver anlaßen, daß die mangelnden deutschen | Subventionen jedenfalls bis zum ver einbarten Termine werden beigebracht werden.

Sie wißen, daß ich Sie schon früher gerne in Berlin gesehen hätte, um die Bildung der Finanzgesellschaft, sowie die Ver handlungen bezüglich der noch fehlenden 7. Millionen v. Deutschland vorwärts zu bringen. Dagegen muß ich sagen, daß ich kaum Jemanden zumuthen könnte, nunmehr Hrn v. Bismark um eine Erklärung in dem strikten Sinne des Hrn v. Gonzenbach anzugehen. Auch ist es mir fast unbegreiflich, wie nach All ' demjenigen, was in jüngster Zeit von Seite des Norddeutschen Bundes in der Gotthardtsache geschehen ist, man| in Florenz nun wieder jenen Mangel als Vorwand benützen sollte, um italienscher Seite nichts zu thun. –

Ein Punkt, der mich, seit der Bundesrath beschloßen hat den Staatsvertrag der nächsten Bundesversammlung vorzulegen, mehrfach beschäftigt hat, betrifft die Completirung der noch fehlenden Quote der schweiz. Subsidien. Muß diese Angelegenheit nicht vorher geordnet werden? –

Mit Hrn. Du Coster , der vor etwa 10 Tagen zurükgekehrt ist, habe ich mich dahin abgefunden, ihm für eins weilen, wo wir keine bestimmte Be schäftigung für ihn haben, fs 200 pr Mt. zukommen zu laßen. –

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr stets ergebener

J. Zingg.