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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4275 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Freitag, 3. Juni 1870

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Zürich 3 Juni 1870.

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Indem ich Ihnen ein Schreiben Stamm's vom 31. v. M. übermittle & zu Ihrer Orientirung das unter dem 27. April abhin zwischen dem Ausschusse der Gotthardvereinigung & Stamm getroffene Arrangement beilege, erlaube ich mir, Sie mit der Anfrage zu belästigen, ob Sie damit einverstanden seien, daß ich die Ziehungen Stamm's honorire. In dem fraglichen Arrangement 4o heißt es: «Les frais dûments justifiés... seront payés par anticipation de temps en temps.» Vorschüsse auf die Stamm zu leistenden Zalungen sind also einbedungen. Dagegen frägt es sich, ob es sich um Vorschüsse auf frais dûments justifiés handle. Der| Inhalt des Briefes von Stamm kann nun allerdings nicht als ein regelrechter Ausweis über die fraglichen frais angesehen werden. Aber abgesehen davon, daß gesagt werden könnte, es handle sich zur Zeit nur um Vorschüsse auf Ausgaben, die später gehörig zu belegen seien, düfte es unzweckmäßig sein, im gegenwärtigen Stadium der Gotthardfrage in Italien Schwierigkeiten zu machen & dadurch möglicher Weise unliebsame Streitigkeiten mit Stamm hervorzurufen. Es will mir also scheinen, die Ziehungen Stamm's dürften zu honoriren, der letztere aber darauf aufmerksam zu machen sein, daß durch die bereits bewerkstelligten & die in Aussicht genommenen Ziehungen das in 4o des Arrangements vorgesehene Maximum von fr. 10,000 bald er| reicht sei. Darf ich Sie bitten, mir gleich, nach dem Sie diesen Brief gelesen, telegraphisch melden zu wollen, ob Sie mit meiner Anschauungsweise einig gehen. Die fraglichen Tratten können nämlich jeden Augenblick zur Acceptation vorgewiesen werden.

Daß ich, wenn ich Hrn. Stamm einige Tage ohne meine «nouvelles» ließ, meine guten Gründe hiefür hatte, werden Sie mir wohl glauben.

Sie um gef. Rücksendung der Beilagen bittend, verbleibe ich in freundschaftlicher Hochachtung

Ihr ergebene

Dr A Escher