Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4232 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 30. März 1870

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Mit Spannung bin ich dem Gange der Verhandlungen des dortigen Kantonsrathes über die Gotthardt subvention gefolgt & kann nicht unterlaßen, Ihnen heute zum Ergebniß der Abstimmung, das wir gewiß hauptsächlich Ihrer vortrefflichen Erörterung verdanken, von Herzen zu gratuliren. Bei der großen Mehrheit, mit welcher schließlich der Beschluß vom Kantonsrathe angenommen worden ist, wird wohl der Volksentscheid nicht mehr zweifelhaft sein. –

Aus dem Kanton Teßin schreibt mir Du Coster , daß der Vorschlag des Hrn. Crivelli in Lugano wie in Bellinzona eine wenig sympathische Aufnahme gefunden habe & daß man es demselben selbst zum Vorwurf mache, als Teßiner eine vermehrte| Betheiligung befürwortet zu haben. Ich habe Hrn. Du Coster , wie Sie aus der Beilage ersehen wollen, vorläufig auf das Sonderbare dieser Auffaßung aufmerksam gemacht. In einem neuesten Briefe stellt Du Coster indeßen doch später etwelchen Erfolg in Aussicht, wenn das Comite ein officielles Begehren stelle & alle innern Kantone sich ausgesprochen haben werden. Ich habe früher Hrn. D. mitgetheilt, daß der Ausschuß für einsweilen von weitern Schritten im Kt. Teßin abzusehen beschloßen habe. Sind Sie damit einverstanden, auch jetzt noch zuzuwarten? –

Was die Anfrage DuCoster's über die Anleihens frage anbetrifft, so bemerke ich, daß ich denselben sr. Z. angewiesen habe, in dieser Richtung keinerlei bezügliche Eröffnung zu machen, welche das Comite nicht genehmigt habe. Es scheint mir, daß auch dermalen kaum eine Uebernahme des| Anleihens durch das Consortium in Aussicht ge stellt werden könne. –

Ihre verehrliche Mittheilung v. 25. d. über die Haltung K.'s in Bern hat mich in hohem Grade überrascht. Ich kann sie fast nur aus anderweitigen Mißstimmungen erklären, denen ich durch meine Bemerkung in der letzten Sitzung einige Rechnung tragen wollte. Je mehr ich meinerseits die neue Finanzkombination nach verschiedenen Richtungen überlegt habe, destomehr finde ich dieselbe annehmbar. –

Zum Schluße beehre ich mich noch Ihnen ein Schreiben v. Hettlingen mitzutheilen, wornach in Schwyz hinsichtlich des Conzeßionsbegehrens der Aargauischen Südbahn nichts weiter geschehen ist & man daselbst zu einer gemeinsamen Besprechung der Angelegenheit Hand bieten wird. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Ver sicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem ergebenen


J. Zingg.

Luzern d. 30 März 1870.