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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4228 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Zürich, Freitag, 1. April 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Besten Dank für Ihre freundliche Theilnahme an unserm Gotthardsiege im Cantonsrathe von Zürich. Er ist in der That in mehr als einer Beziehung ein Ereigniß zu nennen.

Mit Ihrer Ansicht, daß der Gotthardausschuß vorerst keine Schritte bei Tessin im Sinne der Erhöhung der Subvention thun soll, bin ich ganz einverstanden. Wir müssen zunächst die weitere Entwicklung der Dinge in Thurgau,Baselland, Schaffhausen & Unterwalden abwarten. Daß es aber den Tessinern | wohl anstehen würde, von sich aus vorbereitende Maaßrgeln zu ergreifen, um je nach Erforderniß der Umstände die Subvention Tessin's erhöhen zu können, dürfte als selbstverständlich zu betrachten sein.

In die Anleihensfrage sollte nach meinem Dafürhalten zur Zeit in keiner Weise eingetreten werden. Die Tessiner geben eine Million weniger Subvention als der Betriebsausfall der Tessinischen Thalbahnen beträgt: sie beanspruchen günstigere Zalungsbedingungen als alle anderen Subvenienten: & dann sollte das Consortium ihnen noch die Subventionssumme, die sie zu zahlen übernommen haben, leihen!! – Es scheint mir überhaupt, daß Ducoster die Weisung| ertheilt werden sollte, sich der Thätigkeit im Gebiete der niederern Diplomatie (Analogon von «niedere Chirurgie») gänzlich zu enthalten. Es ist schon genug, daß wir ihn immer zu unsern Lasten haben müssen: wir können es nicht brauchen, daß er, nur um etwas gethan zu haben, Tactlosigkeiten begeht!

Die Nachrichten aus Italien, & zwar aus Mailand & Florenz, lauten günstiger & ebenso sind gestern beim Bundesrathe verhältnismäßig günstige Berichte aus Berlin eingetroffen.

In freundschaftlicher Hochachtung

Ihr

Dr A Escher

Zürich
1. April 70.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben in der Mitte auf Seite 1 von dritter Hand: «3. April in diesem Sinne Hrn. Du Coster geschrieben Z.»