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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4214 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Dienstag, 1. Februar 1870

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat TG, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Wenn ich bisanhin auf Ihre verehrl. Zuschrift po Schreibender Regg von Thurgau noch nicht geantwortet habe, so wollen Sie dieß damit entschuldigen, daß ich mich mittlerweile in dieser Angelegenheit vielfach zu bethätigen hatte. Es sind nämlich persönliche Empfindlichkeiten allerlei Art dazwischen gekommen & Sie wissen, wie ich, daß dieß nicht die kleinsten Schwierigkeiten sind, die man im öffentlichen Leben zu überwinden hat. Nunmehr ist die Sache in's Reine gebracht & ich beehre mich, Ihnen auf Grundlage des Geschehenen| die nachfolgenden Anträge zu stellen:

Sie wollen als Präsident des Gotthhard ausschusses die Präsidialverfügung erlassen:

1. Es sei Hr. Generalsecretär Widmer eingeladen, die von der Regier[un]g von Thurgau gewünschte Denkschrift auszuarbeiten;

2. Es sei der Regg v. Thurgau davon, daß diese Einladung an H. Widmer gerichtet worden sei, Kenntniß zu geben.

Hr. Dir. Widmer wird der Einladung Folge leisten & binnen kurzer Frist (8–10 Tage) die Denkschrift vollenden. Die Denkschrift wird dann, denke ich, zu drucken sein.

Die Regierung von Thurgau hat unter dem Präsidium von Hrn. Ständerath Kappeler eine Neuner Expertencommission,| meistens aus Industriellen & Handelsleuten bestehend, zur Begutachtung der Gotthardbahnangelegenheit ernannt. Hr. Widmer wurde nicht zum Mitgliede dieser Commission gewählt, weil man sie «aus ganz unbefangenen Elementen» zusammensetzen wollte. Ich nehme übrigens an, daß sie Commission die Denkschrift das Hrn. Widmer sehr wohl wird brauchen können.

Ich höre, daß Nationalrath Dr. Deucher (demokratischer Wühler & Intimus von Bleuler-Hausheer ), sowie Ständerath Nagel (reicher Knorzer), sich gegen eine Subventionsleistung des Thurgau aussprechen & dabei ziemlich bittere Äußerungen über Labhardt & Anderwert thun.

Noch erlaube ich mir hinsichtlich der in der Zuschrift von Thurgau enthaltenen| Schlußfrage po Completirung der Schweizerischen Subventionen die Ansicht auszusprechen, daß der Regierung das Tableau der bisanhin in Aussicht gestellten fr. 19,050,000 mitgetheilt & daß ihr eröffnet werde, es glaube sich der Ausschuß der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß Thurgau eine Subvention von fr. 250,000 gewähren werde.

Diesen Augenblick höre ich, daß die Regierung von Schwyz den Verpflichtungsschein von sich aus unterzeichnen, vorher aber noch eine Zusicherung betr. eine in dem Subventionsbeschlusse berührte Stationsfrage von dem Gotthardausschusse verlangen wird.

In freundschaftlicher Hochachtung Ihr ganz ergebene

Dr A Escher

Bern
1 Febrr 1870.