Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4143 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Mittwoch, 21. Juli 1869

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt, Ständerat

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Indem ich die Ehre habe, die mir gef. mitgetheilten Beilagen wieder an Sie gelangen zu lassen, bringe ich zu Ihrer Kenntniß, daß Dr. Benz von dem Wiederholungscurse dispensirt worden ist. Ich habe gestern Hrn. Prof. Wolf zu handen der geodätischen Comission hievon benachrichtigt.

Hier gehen in Alpenbahnsachen die Dinge kraus durch einander. Es ist zu beklagen, daß bei einem Theile derjenigen, welche in dem Gotthardlager stehen, eine schrankenlose Tendenz obwaltet, eine Omnipotenz des Staates in Eisenbahnsachen, die sich ja nicht im Zalen, sondern lediglich| im Befehlen manifestiren soll, zu begründen. Man denkt nicht an die Schwierigkeiten, welche die Gewinnung des Privatcapitales darbietet & diejenigen denken am wenigsten daran, welche sich selbst wohl hüten, einen Franken an die Gotthardbahn zu wagen! Die Botschaft des Bundesrathes ist eine schwache Arbeit. Der Hauptkampf wird sich zunächst um die Frage des Eintretens oder Verschiebens drehen. Im Ständerathe, der die Priorität hat, scheint eine entschiedene Mehrheit für Verschiebung zu bestehen. Hr. Wirth-Sand erklärte mir diesen Morgen, daß, wenn Verschiebung beschlossen werde, der Osten & Westen der Schweiz mit Sack & Pack in das Lager der Omnipotenz des Bundes in Eisenbahnsachen übergehen werde!! Es ist einem nicht übel zu nehmen, wenn man hie & da den Eindruck hat, als ar| beite man an dem Thurmbaue von Babel!

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebene

Dr A Escher

Bern 21./7/69.

Kontexte