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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4137 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 14. Juni 1869

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Bundesrat, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat AG, Schweizerische Centralbahn (SCB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Meine Mißion nach Bern hat die in Frage stehende Angelegenheit noch nicht zum Abschluße gebracht. Hr. Gelpke befindet sich in den Neuenburgerbergen, wo er mit einer größern trigonometrische Arbeit betraut ist & wo ihm unter guter Bezahlung mehrjährige Beschäftigung in Aussicht gestellt ist. Ob er geneigt sein dürfte die ihm von uns zugedachte Arbeit zu übernehmen, konnte mir der Chef des eidg. Stabsbüreau, Hr Oberst Siegfried, mit dem ich zunächst in Rüksprache trat, nicht sagen; dagegen erklärte er mir in Betreff der Frage einer Beurlaubung, daß er sein Möglichstes thun müßte, daß derselbe nicht ertheilt würde, indem die Arbeit des Hrn. Gelpke ohne großen Zeitverlust nicht einem Andern übertragen| werden könnte. Mit Rüksicht auf diese Erklärung betrachtet auch Herr BR. Welti, mit welchem ich hernach conferirte, die Beurlaubung des Hrn. Gelpke sehr fraglich, da Hr. Rüfy dabei nicht zu umgehen sei & ein Rekurs an den Bundesrath kaum thunlich erscheine. Hr. Welti will übrigens mit Hrn. Siegfried noch sprechen & mich Morgen des Weitern berichten. –

Auf meine Frage, auf wen denn etwa Bedacht genommen werden könnte, wenn Hr. Gelpke die Arbeit für Bestimmung der Tunnelaxe nicht übernehmen wollte oder könnte, bezeichnete mir der Chef des eidg. Bureau als die geeignetsten & besten Techniker die Hh. Bétemps & Jäggi. Ersterer sei aber kaum mehr von seinem Landsitze wegzubringen & habe erst auf langes Andringen für diesen Sommer eine trigonometrische Vermeßung für die Publikationen des Alpenklups übernommen. Jäggi sei mit einer trigonometrischen Arbeit im K. Aargau betraut & es stehe in Frage, ob er davon für einige| Zeit beurlaubt werden könnte. Sofern wir Hrn. Jäggi engagiren wollten, erklärte sich Hr. Welti bereit, ein Urlaubsgesuch bei der Regierung v. Aargau bestens zu unterstützen. – 1

Auf den Fall, daß auch von diesen Persönlichkeiten abgesehen werden müßte, empfahl Hr. Siegfried als ganz 2 tüchtig die Hh. Ing. Lehmann , der freilich mit seinen Arbeitgebern gewöhnlich Anstände bekam, & unsern E. R. Mohr, der neben vielen topographischen Aufnahmen die trigonometrische Vermeßung der Kantone Glarus & Luzern3 besorgt habe & deßen Arbeiten zu den besten gehören. Ueber Lardy äußerte sich Hr. Siegfried rükhaltend, Hr. Welti bestimmt im abrathenden Sinne. Als einen ganz tüchtigen Gehülfen für Detailvermeßungen nannte Hr. Siegfried einen jungen Bächli v. Buchs, bei Aarau . –

Dieß das Ergebniß meiner Besprechungen & In formationen. Ich denke, daß nun zunächst der weitere Bericht des Hr Welti, der Morgen eintreffen soll, ab | zuwarten sein wird & darauf hin die weitern Ent schließungen zu faßen sein werden. Ich werde nicht ermangeln, Sie sobald als möglich von eingehenden Mittheilungen zu unterrichten. –

Wenn heute keine andern Nachrichten aus Uri ein getroffen sind, werde ich Morgen nach Altorf gehen.

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

von Ihrem freundschaftl. ergebenen

J. Zingg.

Bahnhof Luzern den 14. Juni 1869.

B. Bei den vielen Conferenzen & Reisen wird es doch allmählig etwas lästig, der schweiz. Centralbahn immer Fahrtaxen bezahlen zu müßen.

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: « Albert Lochner v. Leipzig (früher m. dr Aufnahme für d. mittel-europäische Gradmessung beschäftigt)» .

2Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: «in den 60er!» .

3Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «Triangulation, n. bloss die Topograph. Arbeiten?» .