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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4119 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 14. April 1869

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Eisenbahngesetze, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Luzern d. 14. April 69.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Sie durch Hrn. Stokar von dem Er gebniße meiner Verhandlung mit Hrn. Landamman Dr. Heer bereits Kenntniß erhalten haben. Das Wesentliche ist Folgendes:

Glarus hat dem Bundesrathe bereits geantwortet, daß es sich zu Eröffnungen auf die Noten der Mächte nicht veran laßt sehe. Hr. Heer theilte sodann in vertraulicher Weise mit, Glarus werde auch an der v. Waadt & St. Gallen angeregten Conferenz zur Besprechung der Alpenbahnfrage nicht mehr Theil nehmen. Nach seiner persönlichen Ansicht –| – & es sei dieß auch die Anschauung der großen Mehrheit des Landes – sei die Frage, über welchen Paß eine schweiz. Alpenbahn zu erstellen, eine erledigte. Es sei zu wünschen, daß das Werk zu Stande komme & Glarus werde den Bestrebungen keinen Prügel in den Weg werfen

Hinwieder äußerte Hr. Landammann Heer sodann den dringenden Wunsch, daß wenn immer möglich von einer Bundessubsidie für das Unternehmen Umgang genommen werden möchte, nicht weil er & auch die Bevölkerung v. Glarus sich an der Sub vention stoßen & nicht durch den art. 21. der BV. begründet finden, oder in einer Summe v. 5–10 Mill. Bundesbeitrag einen Ruin der eidg. Finanzen erblike;| sondern deswegen, weil eine Bundessubsidie im Osten & Westen der Schweiz den peinlichsten Eindruk hervorrufen & im Zusammenhang mit der Bundesrevision Erscheinungen veranlaßen könnte, die man vom patriotischen Standpunkte aus sehr bedauern müßte. Ich habe darauf in dem zwischen uns besprochenen Sinne geantwortet, was wie mir schien einen guten Eindruk machte. –

Hr. Regierungspräsident Weber von Bern befand sich wirklich letzten Montag hier & suchte, soviel ich bis jetzt erfahren konnte, dem bernerischen Programme Eingange zu verschaffen, daß der «Bund» den Bau der Gotthardtbahn übernehmen & zu diesem Zweke das Eisenbahngesetz von 1852 geändert werden sollte.| Zur Begründung scheint angeführt worden zu sein, daß das Ausland nur mit dem Bunde kontrahiren werde & daß, nur wenn der «Bund» die Sache übernehme, er die Garantien geben könne, welche das Ausland verlangen werde. Sollte den Anschauungen v. Bern in keiner Weise Rechnung getragen werden, so werde Bern in seiner Sonderstellung beharren. Bern werde übrigens noch eine Conferenz sämmtlicher Kantone unter Leitung des Bundes zur Berathung der Angelegenheit verlangen. –

Diese Mittheilungen scheinen mir noch etwas unvollständig & ich werde daher noch Näheres zu erfahren suchen –

Indem ich Ihnen im Anschluße noch eine Zuschrift der Hrn. Landerer zur gef. Kennt nißnahme mittheile, verbleibe in aus gezeichneter Hochachtung ergebenst

J. Zingg.