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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4085 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Montag, 6. Juli 1868

Schlagwörter: Brennerbahn, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Mont-Cenis-Bahn, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

In Erwiederung Ihrer verehrl. Zuschrift vom 2 dß. theile ich Ihnen vererst mit, daß ich den Bericht des Hrn Koller über die Fell'sche Mont-Cenis-Bahn (bestehend aus 2 an Sie gerichteten Zuschriften) & die Briefe des Hrn. Pressel über die Brennerbahn «Ihrem Wunsche gemäß» Herrn Bürgermeister Stehlin zu seiner & Hrn. Director Schmidlin's Handen übergeben habe.

Ferner lege ich dieser Zeilen den Brief Du Coster's & das Schreiben des Hrn. Koller über das Wetli'sche System bei. Über das letztere sind die mir bisanhin bekannt gewordene Ansichten der Techniker sehr getheilt. Der Maschinenmeister der N.O.B., Hr. [Maey ?] spricht sich dagegen aus & wird mir ein schriftliches Gutachten in diesem Sinne einreichen. Hr. Prof. Zeuner & Hr. Scott Russel sollen dagegen für die Wetlische Idee sehr eingenommen sein. Von einem abschließlichen Urtheile für oder gegen kann zur Zeit selbstverständlich nicht die Reide sein.

Herr Koller & Hr. Du Coster werden sich bis zu der nächsten Sitzung des Ausschusses bescheiden müssen. Ich denke, daß eine solche wenn nicht während, doch unmittelbar nach der Session der Bundesversammlung Statt finden wird. Es ist unumgänglich nothwendig, daß wir uns zunächst über die Stimmung in den Bundeskreisen orientiren. Der| einschlägige Passus in dem Berichte der ständeräthlichen Commission hat mich nicht sehr erbaut. Wenn man sich so ausgedrükt hätte, um eine einmüthige Kundgebung der Commission zu veranlassen, so hätte ich es am Ende noch begreifen, wenn auch nicht billigen können. Daß man sich aber so aussprach, während dann gleichwohl hintendrein noch gesagt werden mußte, daß 2 Mitglieder nicht einmal so weit gehen wollten, begreife ich in der That nicht.

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Bern 6 Juli 1868.