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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4064 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Donnerstag, 2. April 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Handelsverträge, Regierungsrat LU, Staatsverträge

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Herr Bürgermeister Stehlin & ich haben es für zweckmäßig erachtet, allen weiteren Schritten bei Mitgliedern des Bundesrathes vorgängig mit Herr Welti über die gegenwärtige Situation vertrauliche Rücksprache zu nehmen. Das Ergebniß unserer Unterredung besteht darin, daß Hr. W. mit den entschiedenen Anhängern des Gotthardprojectes im Bundesrathe, ganz besonders aber mit Hr. Dubs in Verhandlung treten wird, um die Ertheilung einer Instruction hinsichtlich der Alpenbahnfrage an die Delegirten der Schweiz für die Unterhandlungen betreffend den Handelsvertrag mit Deutschland in einem der staatlichen Förderung jener Frage günstigen Sinne zu bewirken. Hr. W. theilte uns mit, daß die Mehrheit im Bundsrathe von Hrn. Dubs abhange, da er auf die Stimmen der HH. Schenk & Knüsel zählen könne. Hr. W. wird mir nun| am Samstage mittheilen, ob er sich der Unterstützung des Hr. Dubs habe versichern können. Wenn ihm dieß gelingt; so hält er mit uns jeden Schritt des Gotthardausschusses oder der beim zustandekommen der Gotthardbahn interessirten Regierungen gegenüber dem Bundesrathe für überflüssig. Im andern Falle scheint ihm dagegen wie auch uns eine Eingabe der Regierung von Luzern an den Bundesrath angezeigt, in welcher das Begehren gestellt würde, daß anlässlich der Unterhandlungen mit Deutschland betreffend Abschluß eines Handelsvertrages die geeigneten Schritte gethan werden möchten, um die Verwirklichung einer Schweizerischen Alpenbahn durch geeignete Handbietung der bei dem Zustandekommen dieses Werkes interessirten Staaten herbeizuführen. Ich werde Ihnen nun, [sobald?] ich die Mittheilung des Hrn. Welti erhalte, von dem Inhalte derselben Kenntniß geben. Ist es Hrn. W. nicht möglich gewesen, Hrn. D. für ein Vorgehen des Bundesrathes in der Alpenbahnfrage zu gewinnen, so halten Hr. Stehlin & ich es nicht für nothwendig, daß noch ein Zusammentritt des Gotthardausschusses Statt finde: vielmehr scheint es uns in diesem Falle dringend geboten, daß die Regierung von Luzern, ohne irgend welche Zeit zu verlieren, die besprochene Zuschrift an| den Bundesrath erlasse. Der letztern wird nämlich, wie uns H. Welti mittheilte, schon im Laufe der künftigen Woche die Instruction an die Schweizerischen Delegirten für die Unterhandlungen betreffend den Handelsvertrag mit Deutschland berathen.

Ich habe mich beeilt, Ihnen von dem Stande der Dinge mit möglichster Beförderung Kentniß zu geben, damit Ihnen die erforderliche Zeit übrig bleibe, um die Zuschrift an den Bundesrath vorzubereiten

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Bern
2 April 1868.