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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4058 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 26. November 1867

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat LU, Polemiken und Anwürfe (Escher), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen Ihre geschätzten Zuschriften bestens verdanke, beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß ich einer Verschiebung der Einberufung des Gotthardtausschußes nun auch den Vorzug gebe. Wegen der gegenwärtigen Versammlung unsres Großen Rathes könnte ich erst in den letzten Tagen dieser Woche einer Sitzung beiwohnen, ein Zusammentritt des Ausschußes unmittelbar vor der Bundesversammlung dürfte indeßen kaum angezeigt sein. Die Behandlung der Zuschrift von Uri scheint mir nicht so dringend zu sein & die Ordnung unsrer Finanzen kann vielleicht während der Bundesversammlung durch Besprechung der Mitglieder des Ausschußes einge leitet werden. Ich werde demnach, wenn Sie den Zusammentritt nicht speciell wünschen, den Aus schuß für einsweilen nicht einberufen. – |

Es wäre meines Erachtens in hohem Grade wünschenswerth, wenn von Seite des Bundesrathes auch bei Preußen eine Anfrage in Betreff der schweiz. Alpenbahnfrage gestellt würde, und wir sind Ihnen zum Danke verpflichtet, daß Sie diesen Punkt bei Hrn. BR. Welti in An regung gebracht haben. Der Leitartikel in der letzten Nummer des belgischen Moniteur des Interets Materiels ist Ihnen wohl nicht entgangen. –

Mit vielem Intereße verfolge ich die gegen wärtige Bewegung im Kt. Zürich, deren Führer auf dem Gebiete persönlicher Befehdung & Beklekung wohl das Höchste leisten. Es braucht in der That ein hohes Maß v. Selbstaufopferung & Hingabe für das öffentliche Wohl, um ungeachtet solcher Angriffe unentwegt auf dem mühevollen Posten der öffentlichen Wirksamkeit auszuharren; ich zweifle übrigens nicht daran, daß die große Mehrheit des Zürcherischen Volkes soviel Einsicht & verständige Sinne besitzt, um wirkliche Leistungen gegenüber| allen Anschwärzungen in ihrem wahren Werthe zu würdigen. –

Genehmigen Sie, hochgeachteter Herr Präsident, bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

von Ihrem ergebenen

J. Zingg.

Luzern den 26. November 1867.

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