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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4055 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 10. November 1867

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat LU, Regierungsrat UR

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Eine Entscheidung der politischen Verhältniße in Italien gewärtigend, welche die Wieder aufnahme der Verhandlungen für eine schweiz. Alpenbahn eher hoffen ließen, habe ich die Erwiderung auf Ihre verehrlichen Mittheilungen vom 10. vor. Mts , die ich Ihnen noch bestens zu verdanken habe, immer verschoben & wohl aus dem gleichen Grunde haben Sie auch von dem Vor schlage zu einem Zusammentritte des Gotthardtausschußes bis dato Umgang genommen. Die Dinge haben nun freilich in Italien eine Gestaltung angenommen, daß wir, wie mir scheint, noch für längere Zeit darauf verzichten müßen,| unsere Bestrebungen von Seite Italiens wieder kräftig unterstützt zu sehen & daß wir neuerdings zur Geduld ver wiesen werden. –

Wenn ich nur aber auch nicht einsehe, wie der Gotthardtausschuß bei dieser Sachlage weiters vorgehen könnte, so will mir doch scheinen, daß in der nächsten Zeit der Gotthardtausschuß wieder einmal zusammentreten sollte, um sich über die Situation zu besprechen & namentlich auch unsere finanziellen Verhältniße zu ordnen. Es sollten Ausgaben be stritten werden (Vertretung in Florenz & auf Ende des Jahres auf Drukkosten etc), ohne daß irgendwelche Mittel vorhanden sind & ich mir nur durch gefällige Vorschüße der Bank in Luzern behelfen kann. –

Sodann wünschte ich dem Ausschuße auch ein neuerliches Begehren der Regierung v. | Uri um Wiederaufnahme der Gotthardtstraßen projekte vom Jahre 1860 zur Berathung vor zulegen. Nachdem nämlich die Regierung v. Luzern in einläßlicher Zuschrift der Reg. v. Uri auseinandergesetzt hat, daß es ihr dermalen nicht rathsam erscheine, die Projekte für Correction des Gotthardtstraße vom Jahre 1860 wieder aufzunehmen, kommt die Regierung v. Uri auf das Ihnen be kannte Begehren zurük, mit dem dringenden Ansuchen, daß Luzern als Vorort der Gott hardtkantone die Sache an die Hand nehmen möchte. Es scheint mir nun, daß der Gotthardtausschuß als Vertreter der sämmtlichen Gotthardtintereßenten in der Lage ist, über die Anregung sich maßgebend auszusprechen.

Von Hrn. Koller habe ich eine Reihe von Briefen des Hrn. Du Coster in Florenz erhalten; sie enthalten aber nichts, das | für unsere Angelegenheit von besonderm Intereße ist, sondern mehr politische Nach richten, so daß ich Sie der Mühe der Lektüre dieser Briefe glaube entheben zu dürfen.

Für den Fall, daß Sie mit der Abhaltung einer Sitzung des Ausschußes in nächster Zeit einverstanden sind, möchte ich Sie bitten, gefälligst einen Tag bezeichnen zu wollen, der Ihnen dienlich sein würde.

Inzwischen genehmigen Sie die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung von Ihrem freundschaftlich

ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 10 Nov. 67. –

B. Von zuverläßiger Seite ist mir mitgetheilt worden, daß Hr. Dr. Segeßer gerne die durch den Hinscheid des Hrn. Krütli erledigte eidg. Archivarstelle annehmen würde, wenn er dafür einen Ruf erhielte, was bei seinen gegenwärtigen traurigen Familienver hältnißen wohl zu begreifen ist. –