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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4054 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Donnerstag, 10. Oktober 1867

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Brennerbahn, Gotthardbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Vor einiger Zeit sprach ich Ihnen meine vorläufige Ansicht über die von Uri aus erfolgte & von anderer Seite her vervollständigte Anregung betreffend Verbesserung der gegenwärtigen Transporteinrichtungen über den Gotthard aus. Ich fügte aber hinzu, daß ich die Direction der Nordostbahn noch veranlassen werde, diese Angelegenheit zum Gegenstande einer förmlichen Berathung zu machen. Die letztere hat nun Statt gefunden & zu der nachfolgenden Ansichtsäußerung geführt:

«Die frühern Anregungen zur Verbesserung der Transporteinrichtung über den Gotthard haben so geringen| Erfolg gehabt, daß man sich von einer neuen Anregung ein günstigeres Resultat um so weniger versprechen dürfe, als seitdem die beiden Alpenbahnen über den Brenner & den Mont Cenis eröffnet & dem Waarenverkehre übergeben worden seien.»

«Wenn aber auch eine verbesserte Transporteinrichtung über den Gotthardpaß vermittelst gewöhnlichen Fuhrwerkes zu Stande käme, so würde es derselben doch nie möglich werden, die Concurrenz mit den bezeichnetenAlpenbahnen für den Verkehr aus & nach Italien bestehen zu können.»

Sie sehen, daß der Befund der Direction der Nordostbahn mit meiner vorläufigen Meinungsäußerung genau übereinstimmt. Die Gotthard | eisenbahn ist eben das einzige wirksame Heilmittel. Man möchte aber oft daran verzweifeln, daß bei uns die Institutionen & namentlich auch die Menschen der Lösung der großen Aufgabe gewachsen seien.

Ich habe mich in diesen Tagen wieder viel mit der Alpenbahnfrage beschäftigt. Ich bin nämlich für einige Tage, auf der Rückreise von Interlaken begriffen, hieher gekommen, namentlich auch um jene Frage zum Gegenstande meiner Thätigkeit zu machen. Vielleicht werde ich Ihnen bald sachbezügliche Mittheilungen zu machen haben, die dann auch den Zusammentritt des Gotthardausschusses erheischen könnten.

Heute Nachmittag reise ich nun nach Zürich zurück, wohin Sie allfällige Briefe an mich adressiren wollen.

Genehmigen Sie die erneuerte Ver| sicherung ausgezeichneter Hochachtung von Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Bern
10 Octr 67

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Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «10 8br 1867» .