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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4051 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Interlaken, Montag, 9. September 1867

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Kuraufenthalte

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Mit verbindlichem Danke übermittle ich Ihnen wieder die mir gütig zugestellten Briefe Du Costers & Koller's. Es ist, glaube ich, sehr an der Zeit gewesen, daß Ducoster in Folge unserer Besprechung in Bern Instructionen erhielt. Eine «Action», wie er sie in neuster Zeit entwickelt hat, leidet an dem Hauptmangel, unzeitig zu sein.

Herr Bdsr. Welti hat mir am Freitag telegraphirt, daß der Bundesrath wegen Abwesenheit einer Reihe von Mitgliedern die Alpenbahnfrage nicht habe abordiren können. Heute ist Hr. Schenk wol in Zürich, um den Thierärzten die Ehre zu geben. Es wird also, denke ich, frühestens am| künftigen Mitwoch die Angelegenheit zur Behandlung kommen.

Hr. Welti hat mich ersucht, sobald der Bundesrath einen Beschluß in Sachen gefaßt habe, den Hrn. Pioda zu schreiben & demselben die gegenwärtige Situation in der Alpenbahnfrage nach allen Seiten hin zu beleuchten. Wie wenig correct vom formellen Standpuncte aus dieses Ansinnen auch scheinen mag, so ist es doch materiell durchaus gerechtfertigt & ich werde deshalb dem Wunsche des Hrn. W. entsprechen.

Ich gedenke noch einige Wochen hier zu verweilen. In diesem irdischen Paradiese & fern von dem Geschäftsjoche wachen meine Lebensgeister wieder auf. Wie sehr ich dessen nach allem, was in den letzten Jahren über mich ergangen, bedarf, weiß niemand besser als ich.

Wir alle haben sehr bedauert, daß es uns nicht vergönnt war, Sie in| Interlaken zu sehen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit verbleibe ich in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebene

Dr A Escher

Interlaken
9 Sept. 67