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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B4002 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 29. Januar 1867

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Die Nachrichten des Hrn. Koller aus Florenz, welche ich Ihnen gestern zu übermitteln die Ehre hatte, haben auf mich den Eindruk gemacht, daß nun mehr der Moment vorhanden sein dürfte, nochmals mit Anspannung aller unsrer Kräfte eine Entscheidung in der Gotthardtbahnfrage an zustreben. Die sachbezüglichen Verhandlungen dauern nun schon so lange, daß es – wenn auch die außerordentlichen Schwierigkeiten der Unter nehmung selbst & die Gewalt hemmender Zeitum stände die Verzögerung hinlänglich begründen – doch im allseitigen Wunsche & Intereße liegen muß, in der Sache wo möglich zu einem Abschluße oder praktischen Resultate zu gelangen. Aus den Mittheilungen des Hrn. Koller scheint mir nun hervorzugehen, daß es nicht unmöglich sein sollte, zu einem solchen Ziele zu gelangen, sofern | nicht Preußen die Mitwirkung dermalen ablehnt. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht dürfte daher der Versuch, Preußen zum Vorwärtsgehen zu be stimmen, u. a. eine der nächstliegenden Aufgaben sein. Von dieser Ansicht ausgehend, scheint es mir sehr wünschbar zu sein, daß Hr. Direktor Stoll der nächsten Ausschußsitzung beiwohne & wenn Sie damit einverstanden sind, werde ich Hrn. Stoll zur Sitzung einladen. –

Auf den Fall, daß in Deutschland Geneigtheit vorhanden sein sollte, die Angelegenheit vorwärts zu führen, dürfte es vielleicht am Platze sein, durch die Abordnung nach Deutschland dann auch die finanzielle Frage wieder weiter zu verfolgen. Was Hr. Koller von dem Verhalten des Hrn. Fowler berichtet, läßt kaum hoffen, daß wir von dieser Seite die gewünschte Förderung einer Finanz gesellschaft erwarten dürfen. Es scheint mir, daß, sofern die preußische Regierung das Unternehmen kräftig zu unterstützen bereit ist, das Capital wohl eher in Deutschland gefunden werden dürfte. – |

Da die Mittheilungen des Hrn. Koller über die Stimmung in Italien als günstig zu betrachten sind, so wäre nun gemäß dem in letzter Sitzung gefaßten Beschluße an die Teßiner Association auch die Anfrage zu richten, ob sie den gegenwärtigen Zeitpunkt für geeignet erachte, ein Conceßions- & Subventions gesuch an die Teß. Behörden einzureichen. Würden Sie vielleicht die Güte haben, Hrn. Stokar mit der Abfaßung der bezüglichen Zuschrift zu beauftragen? Ob die Absendung dann sofort erfolgen oder bis zur nächsten Ausschußsitzung verschoben werden solle, möchte ich gerne Ihrem Ermeßen anheimstellen. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 29. Jänner 1867.

P. S. Die hiesige Regierung theilt vollständig meine Auffaßung des Großrathsbeschlußes in Be | treff der Verzichtleistung auf die Ausschlußbe stimmung in der Zugerischen Conceßion & spricht dieß in einem Schreiben an das Comite der Zürich-Luzern-Bahn aus. Dieser Punkt kann daher als erledigt betrachtet werden.

Obiger.