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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3991 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 27. Oktober 1866

Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Tunnelbau

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen für die freundliche Theilnahme an meinem Befinden den wärmsten Dank ausspreche, kann ich Ihnen zugleich mittheilen, daß das Uebel sich rasch wieder verloren hat, so daß ich mich heute wieder den ganz Gesunden beizählen würde, wenn nicht die Besorgniß vor einem Rükfalle dazwischenstünde & zur Vorsicht mahnte.

Die Conferenz mit Hrn. Fowler ist nun auf nächsten Dienstag Vormittags 10 Uhr im Schweizerhof dahier angesetzt. Ich hatte mich mit Hrn. Dir. Schmidlin bereits dahin verständigt, nebst Hrn. | Burkhardt - Sarasin auch die Hrn. Koller & Stoll zu der Besprechung einzuladen & befreue mich aus Ihrer verehrlichen Zuschrift zu entnehmen, daß Sie damit einverstanden sind. Daß es mich ganz besonders freuen würde, wenn ich bei diesem Anlaße auch Sie hier begrüßen könnte, brauche ich Ihnen wohl kaum zu sagen. –

Aus bisherigen mündlichen Bemerkungen der HH. Scott Russel & Gentili scheint hervorzugehen, daß dieselben für die Ueberschienung des Gotthardt ein höheres Projekt mit stärkern Steigungen, das in 4 Jahren ausgeführt werden könnte, befürworten. Ob Hr. Fowler diese Idee acceptirt, ist zu gewärtigen. Ich habe Hrn. Russel | verschiedene Bedenken gegen eine solches Projekt geäußert, sofern es mehr als ein bloß provisorisches Auskunftsmittel für Herstellung eines ununterbrochenen Schienenverkehrs bis zur Vollendung des großen Tunnels bilden solle. – Die Proposition zur Erstellung einer Bahn über den Berg (:[da h. ?] mit kurzem Tunnel auf 1800 Meter Höhe:) dürfte uns übrigens immerhin bei den bevorstehenden Kammerverhandlungen in Italien zu Statten kommen, da wie ich vernehme von den Lukmanieristen wieder neue Pläne für ein Oberes Lukmanierprojekt vorbereitet werden. –

Im Anschluße beehre ich mich Ihnen | noch eine soeben von Hrn. NatR. Peyer erhaltene Correspondenz mit Hrn. Cattaneoin Faido mitzutheilen. Meine Ansicht geht dahin, es bei der von Hrn. Peyer ertheilten ausweichenden Antwort bewenden zu laßen; ich kann mir nicht denken, daß der Ausschuß für den v. Cattaneo angedeuteten Zwek Geld zu verwenden geneigt sein werde. –

Genehmigen Sie, hochgeachteter Herr Präsident, bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftl. ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 27 8br 1866.