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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3978 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 28. Juli 1866

Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Mont-Cenis-Bahn, Staatsverträge, Tunnelbau, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Dem Wunsche des Hrn. Koller ent sprechend übermittle ich Ihnen im Anschluße einige Briefe des Hrn. Du Coster aus Florenz. Es ergibt sich daraus namentlich, daß man in Italien noch fortwährend mit der definitiven Ausarbeitung & dem Druke der verschiedenen officiellen Berichte über die Alpenbahnfrage beschäftigt ist. Hr. Du Coster will auch aus guter Quelle erfahren haben, daß Italien & Preußen sich verständigt haben, nach Beendigung des Krieges als einen der ersten Akten einen Vetrag über | Subventionirung einer Gotthardtbahn abzuschließen. –

Laut den Mittheilungen des Hrn. Grattoni soll die harte Quarzschicht, welche auf der Seite von Modane den monatlichen Fortschritt der Tunnelar beiten am Mont-Cenis auf 20 Metres reduzirt, noch ca 126 Metres tief sein, welche man bis im Jänner 1867 zu durchbohren hofft. Hernach hofft man auf beiden Seiten zusammen wieder einen täglichen Fortschritt von 4.75 à 5 M. pr Tag, oder 1600 bis 1700 M. pr Jahr zu erreichen.

Hr. Lanicca ist laut einem Berichte des Hrn. Du Coster augenbliklich damit beschäftigt, Profile des Lukmanier | mit dem System Agudio & Fell in bedeutender Zahl lithographiren zu laßen. Wie es scheint, will man also im entscheidenden Momente wieder mit der Idee des Bergüberganges dem Gotthardtprojekte mit dem tiefen Tunnel Conkurrenz machen. Die Versuche mit dem System Fell am Mont-Cenis sollen übrigens – so berichtet Du Coster- u. A. – weder den franz. Bauminister noch den Prinzen Napoleon begeistert haben & letzterm nur den Ausdruk entlokt haben: «c'est de l'exagération».

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße den Ausdruk ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem stets ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 28 Juli 1866.