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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3966 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Belvoir (Enge, Zürich), Mittwoch, 6. Juni 1866

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, European Central Railway Limited (ECR), Grosser Rat TI, Regierungsrat TI, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Seit unserer letzten Sitzung in Olten vom Arzte in Belvoir consignirt & überdieß angewiesen, mich der Geschäfte zu entmüßigen, wird es mir erst jetzt möglich, auf Ihr verehrl. Schreiben v. 4 dß. zu antworten.

Mit Ihnen finde ich die neue in dem Briefe Veladini's enthaltene Combination viel annehmbahrer als die frühere. Ich habe nun zwei Bedenken gegen dieselbe geltend zu machen: fürs erste sollte für die Arbeiten u. s. f. nicht der Preis, den sie gekostet haben, sondern derjenige, den sie werth sind, bezalt werden müssen. Und zweitens – & es ist dieß ein Punct, auf den ich Ihre Aufmerksamkeit in ganz besonderm Maaße richten| möchte – ist es mir durchaus nicht ausgemacht, daß die von Genazzini & Consorten ausgeführten Arbeiten der Gesellschaft Genazzini & nicht vielmehr der Centraleuropäischen Gesellschaft, bez.weise den Cre ditoren derselben, unter welchen dann allerdings auch Genazzini & Genossen figuriren würden, gehören. Man kann sagen, es sei dieß ein Punct, der zunächste nicht uns, sondern die Gesellschaft Genazzini angehe. Aber wenn die letztere sich davon überzeugen würde, daß das Arrangement ein nur entferntes Interesse für sie habe, so würde sie sich wohl auch nicht besonders bemühen, die Voraussetzungen sich verwirklichen zu lassen, an deren Eintreten das Zustandekommen des Arrangements gebunden werden soll.

Ich weiß nicht, ob Sie noch weitere Mittheilungen von Veladini gewär| tigen, bevor Sie auf seinen Brief vom 1 dß. antworten. Wäre dem nicht so, so dürfte er auf die hervorgehobenen Puncte aufmerksam zu machen sein.

In Betreff der Caution Hentsch sollte Veladini, wie mir scheinen will, angegangen werden, dem Staatsrathe bemerklich zu machen, daß die Bundesversammlung sich in die Differenz zwischen Staatsrath & Großrath – der erstere hat, wenn die Darstellung Veladini's richtig ist, offenbar seine Competenz überschritten – nicht einmischen wird & der Natur der Sache nach nicht einmischen kann & daß es unter diesen Umständen durchaus angezeigt wäre, die Conzession, so lange die Differenz nicht ausgetragen ist, der Bundesversammlung nicht vorzulegen.

Den Brief Veladini's lege ich diesen Zeilen bei.

Genehmigen Sie die Versicherung| ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Belvoir
6 Juni 1866.

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