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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3883 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 10. Januar 1866

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Lagebeurteilungen (diverse)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Im Anschluße an meine gestrige telegraphische Nachricht beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß mir Hr. [Vigier ?] auf gestern Abend seine Hieherkunft anoncirt hatte. Derselbe ist indeßen nicht eingetroffen & ich glaube ihn daher auf heute Abend erwarten zu sollen. –

Ich bedaure es sehr, durch meine Ablehnung zu einer Zögerung in der Ankunft einer Delegation des Comite in Lugano beigetragen zu haben. Ich hätte mich noch entschließen können, alle Geschäfte bei Seite zu | zu setzen & die Mißion zu übernehmen. Dagegen glaubte ich meiner Familie die Rüksicht schuldig zu sein, daß ich nicht entgegen dem Rathe meines Arztes die Reise über den Berg in dieser Jahreszeit antretete. –

Von privater Seite vernehme ich aus dem Teßin, daß dort unter der Bevölkerung eine äußerst aufgeregte Stimmung herrsche, fast wie am Tage vor einer Schlacht. Die Stimmung soll sich namentlich gegen die Mehrheit des Großen Rathes & deren Machenschaften richten. Wie weit diese Mißbilligung der Haltung des Großen Rathes greift| & welchen Einfluß sie auf die künftigen Verhandlungen der Behörde auszuüben im Stande ist, steht freilich dahin.

In ausgezeichneter Hochachtung verbleibe

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 10. Jan. 1866.

Kontexte