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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3857 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Montag, 13. November 1865

Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat LU, Grosser Rat TI, Presse (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Vor allem meine warme Gratulation zu der vortrefflichen Rede, welche Sie im Großen Rathe in der Gotthard angelegenheit gehalten haben. Ist auch das Resultat nicht ganz so ausgefallen, wie wir es gewünscht hätten, so hätte doch das Ergebniß leicht auch ein ungünstigeres sein können. Ich hoffe, wir werden ohne Bern auf eine Summe von etwa Frkn. 18,500,000–18,600,000 kommen. Ob das bis auf 20 Millionen fehlende noch aufgebracht werden müsse & bejahenden Falls wie, wird Gegenstand unserer weitern Verhandlungen sein müssen. Ihnen persönlich gratulire ich dazu, daß Sie die Corvée in Luzern durchgemacht haben. Ich begreife, daß diese Seite der in allen Richtungen kolossalen Unternehmung, die wir anstreben, Sie in besonderm Maaße affizirt hat.

Segesser's Benehmen in dieser Angelegenheit ist ebenso unstaatsmännisch als gemein.

In Beilage beehre ich mich, Ihnen die Correspondenz mit Peyer in Sachen der Tessinerconzession | zu übermitteln. Die Verhandlungen sind mit der Commission des Tessin'schen Großen Rathes zum Abschlusse gebracht & Sie finden das Schlußprotokoll bei den Acten. Man kann mit dem Ergebnisse zufrieden sein. Einzig die Zugeständnisse, welche in Betreff der Lage des Bahnhofes & der Tracé's Locarno gemacht werden mußten, um, wie behauptet wird, 27 Stimmen im Gr. Rathe zu gewinnen (anderswo in den Acten ist von wenigern Stimmmen die Rede, sind unerfreulich. Peyer wird Morgen Nachmittag in der Bundesstadt eintreffen.

Stoll ist heute über Carlsruhe, wo er in meinem Auftrage Roggenbach sprechen wird, nach Darmstadt abgereist. Aus dem beiliegenden Exemplare der Zeitschrift «Zollverein» sehen Sie, wie gut er am Rheine & in Westphalen operirt hat.

Ich lege die Abschrift einer letzten Samstag an Feer-Herzog gelangten Depesche Koller's bei. Dieselbe ist sehr erfreulichen Inhaltes. Offenbar thun Usedom & Schweizer bei ihren Regierungen Schritte, um sofortige bestimmtere Erklärungen Preußen's & Baden's in der Subventionsangelegenheit zu veranlassen, damit in der Thronrede bei Eröffnung der Kammern am künftigen Samstage ein Passus zu Gunsten des Gotthard Platz finde. |

Die mir in den letzten Tagen gef übersandten Depeschen &Briefe lege ich bei & verdanke Ihnen Ihre gef. Zuschriften bestens.

Die Motion Welti's, welche Sie kennen, ist das Ergebniß sehr eingehender Verhandlungen, die ich mit ihm gepflogen. Bei unserm nächsten Zusammentreffen werde ich die Ehre haben, Ihnen über diese Angelegenheit einläßlichere Mittheilungen zu machen.

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Bern
13 Novbr 65

Darf ich bitten, die Acten betreffend die Conzessionsunterhandlungen mit Tessin wieder an mich zurückgelangen zu lassen.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «13 November 1865.»