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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3841 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 16. Oktober 1865

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat LU, Lukmanierbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen in An lage eine Zuschrift des Hrn. Landammann Styger vom 14 fl. Monats nebst der beigefügten Copie eines an die Regierung von Schwyz gerichteten Subventionsgesuches des Lukmanierkomite zu übermachen. Man sieht daraus, wie die Gegner uns Entgegenarbeiten; es dürfte darin auch eine Bestätigung Ihrer Vermuthung liegen, daß im entscheidenden Momente Rothschild wieder mit dem Lukmanier auf treten wird. – Ich habe Hrn. Landam mann Styger auf seine Anfrage ge schrieben, daß ich es für sehr wünschbar halte, das Conceßionsgesuch des Luk | manierkomite, wodurch man ohne Zweifel die Entscheidung zu Gunsten des Gotthardt im Kanton Schwyz zu erschweren sucht, rasch zu beseitigen & damit eine klare Position zu schaffen.

Auf die telegraphische Nachricht aus dem Kanton Teßin, von der ich Ihnen gestern Kenntniß zu geben mich beehrte, habe ich Hrn. Staatsrath Forni noch angefragt, auf wann die Rükkehr des Hrn. Pioda erwartet werde. Ich bin aber bis zur Stunde noch ohne Antwort. –

Bei uns beginnt nun eine wüste Agi tation gegen das Steuergesetz, mit der nakt ausgesprochenen Tendenz, damit die Eisenbahnbetheiligungen zu verhindern. Wahrscheinlich werden die | erforderlichen 5000 Stimmen zusammenge bracht, welche für das Begehren einer allgemeinen Volksabstimmung nothwendig sind. Da einige der Betheiligung am Gotthardtbahnunternehmen im Allgemeinen günstige Mitglieder des Großen Rathes, wie z. B. Hr. Dr. C. Pfyffer erklärt haben, ihr Votum von der Annahme des Steuergesetzes abhängig zu machen, so werden wir vielleicht genöthigt, die Versammlung des Großen Rathes zur Er ledigung der Betheiligungsfrage, die auf Anfang November projektirt war, um einige Tage hinauszuschieben. Eine Volksabstimmung über das Steuer gesetz wird wahrscheinlich erst den 12 Nov. stattfinden können. Würden Sie es für zu spät erachten, wenn die Großraths sitzung in den nächsten darauf folgenden | Tagen abgehalten würde? Wir hoffen nämlich noch, daß die Verwerfung des Steuergesetzes nicht gelingen & dadurch die Zahl der Stimmen für die Gotthardt bahnbetheiligung vermehrt würde. –

Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Präsident, bei diesem Anlaße die er neute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftl. ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 16 8br65.

B. Beifolgende Nummer des Wahrheits freundes gibt Ihnen ein Bild, wie man die Sache hier treibt.