Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3829 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 1. Oktober 1865

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat AG, Grosser Rat LU, Grosser Stadtrat Zürich, Presse (allgemein), Regierungsrat AG, Regierungsrat LU, Schweizerische Centralbahn (SCB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Indem ich Ihnen in Anlage den mir gütigst über mittelten Brief des Herrn v. Roggenbach mit den Berichten des badischen Gesandten in Florenz unter bester Verdankung wieder zurükstelle, beehre ich mich Ihnen gleichzeitig mitzutheilen, daß Herr Landammann Schwarz mir gestern versprochen hat, die Betheiligungsfrage am Gotthardtbahnunternehmen in den nächsten Tagen durch die vom Regierungsrathe bestellte Comission vorbereiten zu laßen, so daß der RegRth die Angelegenheit noch in der ersten Hälfte des Octobers behandeln kann. Der Große Rath tritt ordentlicherweise Anfang November zusammen & Hr. Schwarz äußerte die Ansicht, daß die Betheiligung in dieser Sitzung behandelt werden dürfte. Der Endentscheid würde auf diesem Wege immerhin noch vor Mitte November erfolgen. Die Dekretirung | der verlangten Million wird auch von Hrn. Schwarz sowie von andern Stimmen aus dem Aargau als nicht zweifelhaft bezeichnet.

Hr. Landammann Schwarz deutete darauf hin, daß der Beschluß von Aargau wohl nicht anders denn mit der bekannten Bedingung betreffend den Aus schluß im Ct. Zug werde gefaßt werden. Ich be mühte mich hervorzuheben, wie sehr es zu wünschen sei, daß von derlei Bedingungen, welche den Werth der Betheiligung in Italien wieder schwächen würden, Umgang genommen werde. Ich habe bemerkt, daß aus dem gleichen Grunde auch die Centralbahn ver anlaßt worden sei, in ihren Beschlußesantrag aufgenommene Bedingungen wieder fallen zu laßen. –

Die Aargauische Preße beabsichtigt Hr. Schwarz auf den Zeitpunkt besonders zu bethätigen, nachdem der Regierungsrath seinen Antrag an den Großen Rath festgestellt haben wird. –

Für die gefällige Rüksprache mit Hrn. Landammann Vigier empfangen Sie meinen besten Dank. –

Im Canton Luzern muß sich die Situation noch etwas | abklären. Nach meinen bisherigen Wahrnehmungen findet man auch in den äußern Landestheilen, daß sich der Kanton Luzern der Betheiligung am Gotthardtbahnunter nehmen nicht wohl entziehen könne; dagegen stößt hier die Zusicherung einer Betheiligung an der Entlebucherbahn auf große Bedenken & Schwierigkeiten. Hinwidr wollen die Entlebucher ohne diese Zusicherung nichts von der Subvention an den Gotthardt wißen. Hierin liegt unsere Schwierigkeit. Es frägt sich, ob man ein beide Theile zu friedenstellendes Abkommen treffen kann & wenn nicht, auf welchem Wege man die Betheiligung für das Gotthardtbahnunternehmen sicherer erreicht. –

Eine Besprechung mit den HH. Knörr & Schumacher am künftigen Mitwoch würde noch gerade rechtzeitig erfolgen, da der engere Stadtrath den bereits von einer Commission vorberathenen Gegenstand wahrscheinlich erst am Donnerstag behandeln wird. Der Präsident des Stadtrathes glaubt, daß die Angelegenheit noch in der zweiten Hälfte des Octobers sollte an die Gemeinde gebracht werden können. –

Ihrer Mittheilung zufolge habe ich Hrn. Direktor Widmer ersucht, den Ausschuß nächsten Donnerstag 3½ Uhr | nach Olten einzuladen, sofern Sie bis Dienstag Morgen nicht einen andern Tag in Vorschlag bringen.

Die Mittheilung des Hrn. Pioda an den Bundespräsidenten werden Sie, wie ich voraussetze, durch Hrn. Bundesrath Knüsel erhalten haben. –

Aus dem Teßin sind noch keine Nachrichten eingegangen. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

v. Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 1 8br1865.