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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3804 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 27. August 1865

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Gotthardbahnprojekt, Tunnelbau, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich nehme mir die Freiheit, Ihnen in Anlage einige Briefe mitzutheilen, die für Sie von etwelchem Intereße sein dürften. In der Voraussetzung, daß Sie damit einverstanden sein werden, werde ich Hrn. Bundesrath Knüsel zu Handen des italienischen Gesandten einige Notizen über die Beschlüße der ständigen Gotthardt kommißion vom 21. fl. Monats zu kommen laßen. –

Von Hrn. Pfyffer, welcher der Besprechung unsres Delegirten mit Hrn. Jacini in Florenz beiwohnte, wird mir bestätigt, daß Hr. Jacini | bemerkt habe, Italien werde den Bau des Alpentunnels, der gar nicht auf italienischem Gebiete sich befinde, nicht übernehmen können & man werde deshalb sich zu arrangiren suchen müßen. Aufgefallen ist mir sodann die weitere Mittheilung des Hrn. Pfyffer, Hr. Jacini habe sich auch geäußert, daß Baden eine Subvention von 6 à 7 Mill., zahl bar in 10 bis 15 Jahren in Aussicht gestellt habe, daß aber diese Pro position, wornach der Subventionirende Staat ein Intereße haben könnte die Arbeiten zu verzögern, nicht an nehmbar sei & alsbaldige Zahlung der Subvention stattfinden müße. –

Diese Mittheilungen als richtig voraus | gesetzt kann ich fast nicht begreifen, wie unser verehrliche Hr. Collega über diese fundamentalen Punkte hinweggleiten konnte. Eine kurze & bestimmte diesfällige Aufklärung wäre mir in der That zehnmal lieber gewesen, als die wohl gesetzte Rede, welche Hr. [Sch.?] uns zu halten für gut gefunden hat. –

Ich erlaube mir die ganz unmaßgebliche Frage, ob es nicht rathsam wäre, in Betreff der in Frage stehenden Punkte mit Hrn. Jacini in weitere Relation zu treten, sei es durch Hrn. Pioda, oder – sofern Sie es nicht für unthunlich erachten - durch Anknüpfung einer direkten Correspondenz zwischen Ihnen & Hrn. Jacini? Vielleicht finden Sie es aber angemeßener, das Ergebniß Ihrer Unterredung mit dem italienischen | Minister trotz dieser neuen Berichte noch als eine feststehende Grund lage anzunehmen. –

Indem ich Sie bitte, mir die beifolgenden Briefe ganz gelegentlich wieder zugehen laßen zu wollen, benutze ich diesen Anlaß, Sie neuerdings meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu ver sichern.

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 27 Aug. 1865.