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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3780 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Montag, 22. Mai 1865

Schlagwörter: Compagnie des chemins de fer de l'Est (französische Ostbahn) (EST), Diplomatische Aktivitäten, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Regierungsrat TI, Schweizerische Centralbahn (SCB), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

In Verbindung mit den Hrn. Widmer & Stokar habe ich nun die Angelegenheit der Versendung des technischen Gutachtens so gut es mir möglich gewesen ist, geordnet. Es hat mir geschienen, daß der Entwurf zu einem Begleitschreiben an den Bundesrath & die Kantonsregierungen, welchen Sie mir mitzutheilen die Güte gehabt haben, ohne wesentliche materielle Veränderungen größtentheils auch für die Schreiben an die Staatsministerien, Gesandtschaften, Stadtbehörden, Handelskollegien & Eisenbahngesellschaften, denen s. Z. das commerzielle Gutachten zugestellt worden ist, ganz paßend sei & ich habe daher davon abgesehen, auf die einzelnen Länder bezügliche Stellen einfließen zu laßen.

Die Schreiben an die Mitglieder der schweiz. Bundesver sammlung & die Einzelpersonen in der Schweiz glaubten wir ganz kurz halten zu sollen. Ich beschränkte mich darauf, dem Eingange die Bemerkung folgen zu laßen,| man hoffe, sie werden dem Gegenstande zufolge der Wichtigkeit einer schweiz. Alpenbahn für die Eidge noßenschaft insbesonders alle diejenige Aufmerksamkeit zuwenden, welche derselbe in so h. Grade verdiene. –

Es will mir scheinen, daß in ähnlicher Weise auch das Begleitschreiben an diejenigen schweiz. Zeitungsredaktionen, welchen man das Gutachten zuschikt, gefaßt sein dürfte.

Wir waren etwas im Zweifel, wie man die Schreiben an die Einzelministerien derjenigen Staaten (England, Holland, Belgien, Preußen) halten solle, bei denen s. Z. das commerzielle Gutachten nur an das Gesammtministerium übermittelt worden war. Es fragte sich, ob man bei denselben die Kenntniß oder den Besitz des commerziellen Gutachtens voraussetzen dürfe oder aber nicht. Aus der Beilage A. Seite 3 & 4 wollen Sie gefälligst ersehen, wie die Schwierigkeit zu lösen versucht wurde. Sollten Sie der Ansicht sein, man dürfe von der in diesem Ent wurfe enthaltenen Voraussetzung nicht ausgehen, so müßte man meines Erachtens die Schreiben an diese Ministerien nach Entwurf B. abfaßen.|

Betreffend die Schreiben an den Großherzog v. Baden & Hrn. v. Roggenbach wurde mir von Hrn. Stokar bemerkt, daß Sie die Zusendung mit einem persönl. Schreiben zu begleiten beabsichtigen. Ich hätte demnach nur noch die Zuschrift an Hrn v. Bismark zu entwerfen. –

Bei der Erörterung der Versendung kamen wir auch auf die Frage, ob man an die HH. Pioda, Jacini, Usedom & Schweizer in Turin schon jetzt die Sendung mit einem deutschen Bericht abgehen laßen solle, oder erst später nach Beendigung der franz. Uebersetzung. Es scheint mir Ersteres angezeigt zu sein, weil die betr. Herrn deutsch verstehen &, indem in Italien bereits einige Exemplare vorgezeigt werden, die Verschiebung der offiziellen Zusendung um einige Wochen kaum angemeßen sein dürfte. Auch die Uebermittlung an das ital. Ministerium & die teßinische Regierung wird meines Erachtens nicht wohl verschoben werden dürfen, bis die franz. Exemplare vorliegen; man könnte die Nachsendung der Letztern in nächste Aus sicht stellen.

Was die Zusendung an die Präsidenten der franz. Bahnen & an die deutschen Eisenbahngesellschaften betrifft, denen| das commerzielle Gutachten nicht direkte vom Ausschuße übermittelt worden ist, so sind noch zwei Fragen zu erledigen:

1. ob die Zusendung (wenigstens bei der Ostbahn) durch Vermittlung der Centralbahn geschehen solle, um bei diesem Anlaße zugleich einen weitern Beitrag an die Vor studien auszuwirken;

2. ob es nicht beßer wäre, die Sendung an einzelne deutsche Eisenbahndirektoren, statt an die Direktionen zu richten. Hr. Direktor Stoll soll erstern Modus für paßender erachten, weil sonst die Akten Gefahr laufen, einfach den Archiven zuzuwandern. –

Ich erlaube mir, diese Punkte hier noch aufzuführen, in der Hoffnung, daß wir am Donnerstag einen Augen blik Zeit finden werden, dieselben zu erörtern & ab schließlich zu erledigen. –

Darf ich Sie bitten, die beiliegenden Entwürfe noch durch zusehen & sofern sie damit einverstanden sind, an Hrn. Stokar gelangen zu laßen. Sie klingen etwas ein tönig; Sie haben es aber fast unmöglich gemacht, die Sache anders zu sagen, ohne die Darstellung zu verschlechtern.

In freundschaftl. Hochachtung

Ihr ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 22. Mai 65.