Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3766 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Belvoir (Enge, Zürich), Montag, 17. April 1865

Schlagwörter: Bülach-Regensberg-Bahn (BRB), Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Grimselbahnprojekt, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Zürich-Zug-Luzern-Bahn (ZZL)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

Wollen Sie mich gef. entschuldigen, wenn es mir erst heute möglich wird, auf Ihre beiden letzten verehrl. Schreiben zu antworten. Ich war in der neusten Zeit von Arbeit fast erdrückt. Es mußten die Geschäftsberichte über die N.O.B., die Luzernerbahn & die Bülach–Regensburger Bahn ausgearbeitet werden, von andern Aufgaben, die geradezu massenhaft ihre Lösung in diesen Tagen verlangten, gar nicht zu sprechen.

Mit der Mittheilung des Bekh'schen Gutachtens über die Grimsel an Hrn. Stämpfli scheint es mir keine Eile zu haben. Ich werde heute noch Gelegenheit finden, mit Hrn. Bürgermeister Stehlin hierüber| Rücksprache zu nehmen. – Es ist mir übrigens von Bern aus von bestunterrichteter Seite confidentiell mitgetheilt worden, daß man in Bern die Hoffnung auf die Verwirklichung des Grimselprojectes so ziemlich aufgegeben habe.

Mit der von Ihnen beabsichtigten Art der Beantwortung der Koller'schen Fragen bin ich ganz einverstanden. Engagements mit Beziehung auf spätere Anstellungen in der Eigenschaft als Ingenieur u. s. w. für den Fall des Zustandekommens unsers Projectes darf man jedenfalls nicht eingehen. Man kann dadurch im Verfolge in sehr unangenehme, fast peinliche Stellungen gerathen. – Hr. Koller, mit dem ich letzten Samstag in Zürich betreffend die Versendung des technischen Gutachtens (an wen, welche Art von Plänen u. s. f.) conferirt habe, sagte mir, er werde erst in etwa 8 Tagen nach Italien abreisen.| Es will mir nun scheinen, es sollte, bevor er die Alpen überschreitet, noch eine Besprechung zwischen ihm & unserm engern Ausschusse Statt finden, anläßlich welcher auch auf die Fragen eingetreten werden könnte, die er Ihnen gestellt hat. Ich werde mit Hrn. Stehlin achbezügliche Rücksprache nehmen & Ihnen einen Voschlag betreffend Zeit & Ort der Besprechung übermitteln. Ich denke, es würde sich um einen der letzten Tage dieser Woche, um den künftigen Sontag oder um einen der ersten Tage der nächsten Woche handeln.

Ganz einverstanden bin ich mit Ihrer Ansicht, daß ein Schreiben an Jacini betreffend Verzögerung des Abschlusses des [Ital.?] technischen Gutachtens unter den obwaltenden Umständen & nach allem, was bereits zu diesem Ende hin gethan worden ist, unterlassen werden soll.

Bei der vorhin erwähnten Conferenz mit H. Koller, der auch die HH Widmer & Kunz | beiwohnten, wurde bestimmt, daß 1 Exemplar der vollständigsten & bestausgestatteten Sendung des technischen Gutachtens (es gibt 5 Arten von Sendungen) Hrn. Cattaneo zugestellt werden soll. Obgleich diese erste Kategorie von Sendungen fast ausschließlich für Staatsregierungen u. s. f. bestimmt ist, so darf für Cattaneo wohl eine Ausnahme gemacht werden. Ich werde dafür sorgen, daß er die Sendung möglichst beförderlich erhält.

Ich habe Hrn. Kunz den Auftrag gegeben, die von Ihnen gewünschten Zusammenstellungen der noch zu bezalenden DruckLithographie – & Buchbinderarbeiten anzufertigen. Da indessen das französische technische Gutachten sammt Beilagen erst etwa zur Hälfte gedruckt ist, so kann die Zusammenstellung vor der Hand noch nicht ganz vollständig werden.

Ich reise in 2 Stunden nach Bern zu| finanziellen Unterhandlungen & in die Commisssion betr. Ersparnisse auf dem Militärbüdget der Eidgenossenschaft ab. Sollten Sie also in den nächsten Tagen an mich schreiben oder telegraphiren wollen, so treffen mich Ihre gef. Zusendungen im Bernerhofe in Bern.

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem freunschaftlich ergebenen

Dr A Escher

Belvoir
17. April 1865

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «17 April 65.»