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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3764 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Donnerstag, 6. April 1865

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich habe die Ehre, Ihnen hiemit in Anlage zu übermachen:

1. Das von Hrn. Oberingenieur Bekh verfaßte Gutachten über die Grimselbahn, welches Sie mir mitzutheilen die Gefälligkeit hatten. Ich habe dasselbe mit großem Intereße gelesen & sodann auch dem Hrn. Bürgermeister Stehlin zugestellt. Wie Sie aus den mitfolgenden Zeilen des Hrn. Stehlin gütigst entnehmen wollen, erachtet derselbe eine private Mittheilung des Berichtes an Hrn. Stämpfli für gerathen, da er dadurch möglicherweise seine Stellung zum Grimselprojekt zu verändern veranlaßt werden dürfte & bei einer spätern Anhörung des Berichtes in Schooße des Gotthardtausschußes nicht allzu unangenehm überrascht würde.

Ich bin über die Opportunität & die Art & Weise dieser | Mittheilung etwas im Ungewißen & möchte daher die Sache gerne Ihrem beßern Ermeßen anheimstellen. –

2. Ein Schreiben des Hrn. Ing. Koller vom 4ten dieß, womit derselbe mittheilt, daß er vor Ostern nicht wohl verreisen könne, & sodann über eine Reihe von Fragen Aufschluß zu erhalten wünscht. In einer Beilage zu dem Schreiben finden Sie meine unmaßgebliche Ansichtsäußerung über die Antwort, welche dem Hrn. Koller auf die gestellten Fragen ertheilt werden dürfte. Darf ich Sie bitten, dieselben zu durchgehen & mir gefälligst mitzutheilen, ob & in wie weit Sie mit dieser Antwort einverstanden sind, oder eine Modifikation für angezeigt erachten. –

Ein nachmaliges Ansuchen an Hrn. Minister Jacini, er möchte die italienische Expertenkommißion anweisen, ihr Gutachten nicht abzugeben, bis sie das gedrukte Expertengutachten mit allen Beilagen erhalten habe, scheint mir nach den bisherigen | Mittheilungen nicht nothwendig zu sein. Sollten Sie anderer Ansicht sein, so dürfte ein privates Schreiben des Hrn. Generalsekretärs an Hrn. Jaccini vielleicht am paßendsten sein, indem Hr. Widmer mit Hrn. Jacini früher bereits in Correspondenz gestanden.

3. Ich lege endlich zur gefälligen Kenntnißnahme noch bei ein Schreiben des Hrn. Müller über seine neuesten Wahrnehmungen in Turin. –

Sofern Sie der schriftliche Beantwortung der durch diese Mittheilungen zur Frage gebrachten Punkte eine mündliche Besprechung vorziehen sollten, so stehe jederzeit zu Ihrer Verfügung.

Inzwischen benutze ich diesen Anlaß, Sie neuerdings meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu versichern.

Ihr freundschaftl. ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 6 April 1865.