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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3759 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Alfred Escher an Josef Zingg, Belvoir (Enge, Zürich), Sonntag, 5. März 1865

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Personelle Angelegenheiten, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Schultheiß!

In höflicher Erwiederung Ihrer verehrl. Zuschrift vom 1. dß. erkläre ich mich mit Ihren Ansichten in Betreff des von Hrn Koller mit Hrn. Müller abgeschlossenen Vertrages ganz einfverstanden. Wie die Sachen liegen muß man den fait accompli hinnehmen, wie er ist. Wenn Hr. Koller vor dem 1 Juni nach Italien gesandt wird, was mir nicht unwahrscheinlich ist, so kann man ihm ja den Titel «Commissär für Italien» (statt bloß für Turin) geben.

Ich nehme an, Sie seien von dem unerbaulichen Gange, den die Instructionsertheilung an die Schweiz. Abgeordneten an den Unterhandlungen mit dem Zollvereine genommen hat, unterrichtet. Deutschland bietet der Schweiz Subsidien für den| Bau einer Alpenbahn auf ihrem Gebiete an & der Bundesrath scheint großes Bedenken zu haben, dieses Anerbieten anzunehmen!! Man ist auch gar zu ungeschickt in unsern Allerhöchsten Regionen bei der Behandlung von derartigen Materien! Ich habe heute an H v. Roggenbach geschrieben, um wo möglich durch ihn wieder gut zu machen, was in Bern verdorben worden ist. In der nächsten Sitzung unserer Commission werde ich Ihnen & Hrn. Stehlin von dem wörtlichen Inhalte meiner Zuschrift an Roggenbach Kenntniß geben.

Das Wetli'sche Gutachten ist endlich eingetroffen. Hr. Stoll & ich finden, es sollte noch von Hrn. Koller durchgesehen werden. Ich habe Einleitung getroffen, damit dieß beförderlich erfolge. Das Wetli'sche Gutachten ist die einzige Beilage zu dem Hauptgutachten, die noch nicht gesetzt ist. Mit dem letztern geht es nun tüchtig vorwärts.|

Wenn nur nicht, was wir im Auslande erringen, jeweilen im lieben Vaterlande wieder verdorben würde!

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebene

Dr A Escher

Belvoir
5 März 1865.