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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3758 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Mittwoch, 1. März 1865

Schlagwörter: Bankinstitute, Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Kreditanstalt (SKA)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Empfangen Sie meinen lebhaften Dank für die geschätzten Mittheilungen, welche Sie mir mit Ihrer verehrlichen Zuschrift vom 26. v. Monats zuzustellen die Güte hatten & von denen ich zufolge Ihrer Er mächtigung auch Hrn. Bürgermeister Stehlin Kenntniß gegeben habe. Mit Vergnügen habe ich dem Briefe des Hrn. v. Roggenbach entnommen, daß der Gotthardt in Süddeutschland an Freunden & Gönnern gewinnt. Ich erblike in dieser günstigern Situation namentlich auch einen Erfolg Ihrer Bemühungen, der ganz geeignet ist, trotz des halben Abfalles der Berner eine energische Fortsetzung unsrer Bestrebungen zu ermuntern. Daß die Berner mit ihrer Grimselversammlung die Schritte des Gotthardtausschußes durchkreuzen, ist freilich ärgerlich genug. Voraussichtlich werden indeßen die technischen | Vorlagen eine nicht minder durchschlagende Wirkung haben, als dieß beim kommerziellen Berichte der Fall war, so daß sich das Grimselprojekt daneben kaum lange aufrecht erhalten dürfte.

Wenn man in Bern hoffen sollte, durch die Grimseldiversion die Luzerner für die Entlebucherbahn in Hast zu bringen & für einen Staatsbau der Linie zu begeistern, so dürfte man sich irren. Eine Bahn durch das Entlebuch ist allerdings für den Kanton Luzern von sehr großem Werth & ich wünsche & hoffe deshalb auch, der Kanton Luzern werde s. Z. dieselbe unterstützen, wie er die Bahn v. Basel & Zürich subventionirt hat; aber ich glaube nicht, daß die Be hörden v. Luzern je geneigt seien, für diese Bahn dem Lande eine Schuldenlast aufzubürden, wie es in Bern & Freiburg geschehen ist. – Als eine Möglichkeit erschiene mir einsweilen, eine Vereinigung der betreffenden Intereßenten behufs Ausführung der Bahn von Langnau nach Luzern auf den Zeitpunkt oder den Fall der Sicherung des Gotthardtbahnunternehmens anzustreben. Ob | aber der Zeitpunkt zu einem solchem Versuche der geeignete sei, darüber bin ich mit mir nicht im Reinen. –

Aus den beifolgenden Mittheilungen des Hrn. Koller wollen Sie gefälligst entnehmen, daß er in Folge der Mittheilung, welche ich ihm nach unsrer telegraphischen Verständigung über die Anstellung des Hrn. Müller habe zukommen laßen, mit Letzterm eine Verabredung getroffen hat, welche etwas über unsern letzten Beschluß hinausgeht. Ohne bei Hrn. Müller anzustoßen, läßt sie sich vielleicht mit unserm Beschluße in der Hauptsache in Uebereinstimmung bringen, wenn Hr. Müller im Art. 1 als «Commissär & Stellvertreter des Hrn. Koller» in Turin bezeichnet würde. Wenn sich jedoch, was sich aus der Besprechung mit Hr. Koller ergeben wird,- eine solche Aenderung ohne Nachtheil nicht vornehmen ließe, so sollte nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten der Uebereinkunft einfach die Genehmigung ertheilt werden. Befriedigen die Leistungen des Hrn. M. nicht, so kann man nach einigen Monaten abbrechen; & gelingt es ihm inzwischen nur, Hrn. Amilhan zu der Erklärung zu | der Erklärung zu veranlaßen, daß die 10 Mill. fs. Sub sidien der lomb. Eisenbahngesellschaft in keinem Falle für die Grimsel gegeben werden, so ist dieß wohl das 3monatliche Honorar werth. –

Mit lebhaftem Intereße habe ich den mir gütigst mitgetheilten Bericht der Genfer Handelsbank gelesen & mich von den trefflichen Situation des Geschäftes überzeugt. Ich hoffe demnächst mit nicht geringerer Befriedigung den Bericht der Creditanstalt aus der Hand legen zu können. –

Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung

Von Ihrem stets ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 1. März 1865.