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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3725 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 10. Dezember 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Von Zürich zurükgekehrt, beeile ich mich Ihnen über das Ergebniß der Besprechung, welche heute über die Behandlung des Wetlischen Projektes stattgefunden hat, Bericht zu erstatten. Wahrscheinlich hat Ihnen übrigens Hr. Direktor Stoll bereits einige Mittheilungen zu gehen laßen. –

Die Verhandlung dauerte zu zwei Stunden & wir hatten den Takt & die diplomatische Gewandtheit des Hrn. Stoll sehr nöthig, um zu einem bestimmten Ziele zu gelangen. Durch alle Bemerkungen des Hrn. Wetli zog sich wie ein rother Faden der Gedanke, daß in die Pläne unsrer Experten auch seine Projekte aufgenommen oder gleichzeitig mit denselben in besondern Lithographien verbreitet werden möchten, – ein Wunsch, dem Hr. Bekh in sehr freundlicher Weise entgegenkam. Mit Hrn. Direktor Stoll habe ich aber entgegengehalten, daß dadurch in der Publikation des technischen Gutachtens sammt Plänen voraussichtlich eine neue bedeutende| Verzögerung eintreten würde, welche bei dem derzeitigen Stande der Sache & den dem Ministerium in Turin gegebenen Zusicherungen durchaus unzu läßig sei. Schließlich verständigten wir uns dahin:

In dem Manuscript des Gutachtens, das nach Turin zu Handen der italienischen Experten gesandt wird, wird der Wetlischen Variante kurz erwähnt, unter Beilage: 1 tens einer Zusammenstellung der Haupt punkte seines Projektes, welche Hr. Wetli sofort zu besorgen hat, & 2 tens eines kleinen lithographirten Situationsplanes, in welchen Wetli sein Projekt einzeichnet. –

Auf Wetli's Wunsch wurde ihm sodann die Ermächtigung ertheilt, seine Profile in einer später zu bestimmenden Auflage lithographiren zu laßen, da wir die Anstalt von Wurster & Cie , welche die übrigen Arbeiten kaum rasch genug wird beendigen können, nicht auch noch hiemit belasten wollten. Hr. Wetli soll sodann sein Projekt mit einem kurzen be leuchtenden Berichte sammt Kostenvoranschlag dem Ausschuße oder der bestellten Commission (Stoll & Koller) | einreichen, worauf dann zu ermeßen ist, ob derselbe noch mit dem Gutachten verbunden & verbreitet werden kann, oder ob & wie weit später eine nach trägliche Mittheilung unter Beilage von kleinen Situationsplänen mit seinem Traçe allein statt finden soll. –

Hiedurch ist, wie ich glaube, einer Verzögerung der Beendigung & Verbreitung des technischen Gutachtens, deßen Druk fortgesetzt wird, vorgebeugt & den Wünschen Wetli's genugsam Rechnung getragen. Be fördert er – was freilich unwahrscheinlich ist – sein Resumé & seine Lithographien so, daß sie im Jänner mit dem tech. Gutachten verbreitet werden können, nun wohl & gut; im andern Falle bleibt es dem Ausschuße vorbehalten zu entscheiden, ob & welche Verbreitung man nachträglich dem Wetli'schen Pro jekte noch geben will. –

In Beilage stelle Ihnen hiemit den Brief des Hrn. v. Roggenbach, den Sie mir mitzutheilen die Güte hatten & von dem ich mit großem Intereße Kenntniß genommen habe, unter bester Verdankung wieder zurük.|

Ich bin ganz mit Ihnen einverstanden, daß es zwek mäßig sein wird, den Zusammentritt der Abordnungen in das Ausland bis nach der Bundesversammlung zu verschieben. Vor Erlaß der Einladungen ge wärtige ich gerne die gefällige Bezeichnung des Tages, der Ihnen für die Zusammenkunft geeignet erscheint. –

Inzwischen verbleibe mit dem Ausdruke ausge zeichnetster Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern den 10. Dec. 1864.