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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3723 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Donnerstag, 8. Dezember 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Unter vorläufiger Verdankung Ihrer geschätzten Zuschrift von gestern beehre ich mich Ihnen mitzu theilen, daß Hr. Wetli hier eingetroffen & mir heute sein neues Projekt vorgewiesen hat. Dasselbe erzwekt eine weitere Abkürzung der Linie um 7 Kilo meter & erreicht diese dadurch, daß statt dem Kehr des Hrn. Bekh bei Gurtnellen & Wyler die Bahn mit gleichmäßigem Gefäll v. 25 pr. mille von Wasen an stets am linkseitigen Berabhange bis unterhalb Erstfelden hingeführt wird. –

Eine Beschreibung seines Projektes scheint Hr. Wetli noch nicht angefertigt zu haben, weil er dafür hält, daß eine solche ohne die Lithographie seiner Pläne wenig Werth hätte. Ich habe ihm bemerkt, daß von einer Lithographie dieser Pläne vor der Verbreitung unsres Gutachtens nicht mehr die Rede sein könne; ich glaube, daß es kaum mehr möglich sein wird, | seine neue Linie auch nur im Uebersichtsplane anzudeuten. Hr. Wetli, welcher heute mit dem Repräsentanten der Compagnie Sillar nach Bern reist, wird vielleicht Morgen Gelegenheit finden, Ihnen von dem Projekte noch selbst Kenntniß zu geben. Auf Samstag habe ich mit Hrn. Wetli eine Zusammenkunft in Zürich verabredet, um daselbst die Sache im Verein mit den HH. Stoll & Bekh definitiv in's Reine zu bringen. Wie die Sachen stehen, kann nach meinem Dafürhalten bloß mehr in Frage kommen, ob man in dem Gutachten das neue Projekt v. Wetli mit einigen Zeilen anzeigen wolle, es wäre denn, daß man Hrn. Wetli dazu veranlaßen könnte, in Zürich selbst sofort noch ein kurzes Aperçu anzufertigen. –

Den Brief v. Hrn. v. Roggenbach werde ich meinem nächsten Schreiben beifügen, indem ich diesen Morgen wegen beständigen Besuchen noch nicht dazu gekommen bin, denselben zu lesen & ich Ihnen diese wenigen | Zeilen noch mit dem nächsten Zuge mitzutheilen wünschte.

Inzwischen verbleibe ich in ausgezeichnetster Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 8 Dec. 1864.