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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3716 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Alfred Escher an Josef Zingg, Bern, Sonntag / Montag, 27. / 28. November 1864

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungsrath!

Obgleich es bereits Mitternacht vorbei ist, glaube ich doch die Beantwortung Ihrer verschiedenen verehrl. Zuschriften nicht länger verschieben zu dürfen. Ich habe mit Hrn. Bürgermeister Stehlin in Sachen conferirt & was ich Ihnen nun zu schreiben das Vergnügen haben werde, ist unser beider übereinstimmende Ansicht.

Fürs erste sind wir mit Ihrem Entwurfe zu demjeinigen Theile des Berichtes des Ausschusses, welcher sich auf die technische Frage bezieht, völlig einverstanden. Wir erlauben uns nur auf zwei Puncte aufmerksam zu machen. 1, sollte nach unserer Ansicht auch die Höhe des höchsten Punctes, bis auf welchen am| Gotthardt & am Lucmanier die offene Bahn geführt wird, in dem Berichte angegeben & auf desen Punct ein besonderes Gewicht gelegt werden. 2, sollte hervorgehoben werden, daß, wenn zu der Gotthardtbahn noch ein Netzt von Thalbahnen hinzugenommen & in Folge dessen die Aufbringung einer absolut größern Summe zur Realisirung des Gotthardtprojectes, als zu derjenigen des Lucmanierprojectes nothwendig wird, hierin nicht ein Grund gegen, sondern eher für die Ausführbarkeit des Gotthardtprojectes gefunden werden muß. Je mehr Thalbahnen zu dem Alpenbahnprojecte hinzugenommen werden, desto günstiger gestalten sich wegen der geringern Baukosten der Thalbahnen bei gleicher oder größerer Alimentation die Rentabilitätschancen der betreffenden Unternehmung.

Die Haltung des Ausschusses in der Verhandlung der ständigen Commission vom| nächsten Donnerstage anlangend glauben wir, daß nach Verlesung des Berichtes des Ausschusses demselben zunächst keine weitere mündliche Erläuterungen von Seite eines Mitgliedes des Ausschusses beigefügt, sondern allfällige Interpellationen aus der Mitte der ständigen Commission gewärtigt werden sollten, auf welche in einer der Haltung des Berichttes entsprechenden Weise zu antworten wäre. – Das Büdget über die Kosten für die Vorarbeiten & Vorbereitungen überhaupt anlangend glauben wir, es dürften ganz allgemeine Andeutungen genügen. In eine detailirte Auseinandersetzung der Kosten einzutreten, dürfte um so weniger gerathen sein, da wir ja in Betreff der Kosten für die Lithographie der Pläne aller Art u. s. f. zur Stunde noch ganz im Unklaren sind.

In Betreff endlich der Frage, ob die Abordnungen in's Ausland während der| Bundsversammlung in Bern oder erst später versammelt werden sollen, behalten wir uns vor, künfigten Donnerstag mit Ihnen mündliche Rüksprache zu nehmen. Den sogenannten Finanzplan würden wir den Abordnungen nicht zum voraus mittheilen. Der Plan ist nicht so complizirter Natur, daß er nicht in der Versammlung der Abordnungen leicht mündlich entwikelt & ebensoleicht aufgefaßt werden könnte.

Ich schließe diesen Zeilen die mir gef. mitgetheilten Actenstücke bei & indem ich alles weitere auf unser demnächstiges Zusammentreffen verschiebe, verbleibe ich in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftlich ergebener

Dr A Escher

Bern
27/28 Nov. 1864.