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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B3707 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_053

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 13. November 1864

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

In Anlage stelle Ihnen hiemit den Brief von Hrn. Pioda , den Sie mir mit Ihrer geschätzten Zuschrift v. 10. d. mitzutheilen die Güte hatten, unter bester Verdankung wieder zurük. –

Der gestrigen telegraphischen Mit theilung über das Ergebniß meiner Besprechung mit dem Hrn. Bundes präsidenten habe ich nicht viel beizufügen; sie schloß mit der Erklärung des Hrn. Dubs , daß er die confidentielle Mittheilung entgegennehme & einsweilen als solche behandeln werde. Von einigem Intereße ist Ihnen viel leicht ein vorausgegangenes Rai sonnement: Der Gotthardtausschuß | biete die Eigenthümlichkeit dar, daß hier Kantone mit Privatgesell schaften vereint seien. Das Projekt werde voraussichtlich auch bei der Ausführung ein Privatunternehmen bilden, bei dem die Kantone haupt sächlich nur durch Subventionen be theiligt seien. –

Ich habe mir erlaubt, von dem Stande der Mißionen auch den HH. Bundesräthen Knüsel & Schenk privatim vertrauliche Mittheilung zu machen. Letzterer bemerkte mir, daß ihm die Sache nun allerdings nicht recht gefalle; was aus der Autorität der Bundesbehörde, was aus der Stellung des schweiz. Gesandten werden solle, wenn er heute diese, Morgen eine andere Abordnung vorführen | müße? Er könne das seinerseits fast nicht so gehen laßen. Ich erlaubte mir darauf u. a. zu bemerken, daß dermalen wohl noch kaum zu hoffen sei, es werde der Bundesrath den im April fl. J. einge nommenen neutralen Standpunkt verlaßen & daß unter diesen Umständen für den Bundesrath mit Rüksicht auf das vor bereitende Stadium der Angelegenheit wohl nur erwünscht sein dürfte, nicht heute dieser & Morgen einer andern Ab ordnung einen Bundesstatisten bei geben zu müßen. –

Auf Dienstag Mittag erwarte ich Sie in Olten , wohin auch Hr. Stehelin ein geladen ist. Indem ich Weiteres bis dahin zu verschieben mir erlaube, verbleibe in ausgezeichneter Hochachtung

Ihr freundschaftl. ergebener

J. Zingg.

Luzern d. 13 Nov. 1864.